Region & Geschichte in der Region Württemberg

Kloster bis Genossenschaft

Region & Geschichte

Schon die Römer sollen im zweiten Jahrhundert an den Hängen über dem Neckar Reben gepflanzt haben, ganz sicher belegt ist das nicht. Sicher überliefert ist der Weinbau erst später: Eine Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch aus dem Jahr 766 erwähnt Weinberge in der Gegend. Im sechzehnten Jahrhundert galt der Neckarwein weit über die Region hinaus als gefragte Ware, vor allem dank einer heute vergessenen Sorte namens Klevner. Herzog Friedrich I. brachte 1607 Ordnung in die Weinberge: Seine Herbstordnung schrieb erstmals einheitliche Regeln für Lese und Ausbau vor.

Vor dem Dreißigjährigen Krieg soll die Rebfläche rund 45.000 Hektar betragen haben, mehr als das Vierfache der heutigen. Der Krieg vernichtete Dörfer, Menschen und Weinberge gleichermaßen. Was danach nachwuchs, war oft Putzscheren, eine ertragreiche Tokajer-Sorte, die in Württemberg selten richtig reif wurde und dünnen, sauren Wein ergab. Die herzogliche Regierung versuchte, den Anbau zu verbieten. Die Weingärtner pflanzten trotzdem weiter, denn Menge zahlte sich schneller aus als Qualität, und in den Weinbergen wuchs ohnehin alles durcheinander.

Erst König Wilhelm I. drehte den Kurs im frühen neunzehnten Jahrhundert um. Er ließ Rieslingreben aus dem Rheinland holen und in seinen eigenen Weinbergen neue Methoden erproben. 1826 gründete Georg Christian Kessler in Esslingen am Neckar die erste deutsche Sektkellerei und füllte die ersten Flaschen aus Frühburgunder-Wein der Gegend ab. Sie besteht bis heute und gilt als älteste ihrer Art in Deutschland. Eine 1825 gegründete Weinverbesserungsgesellschaft trug die neue Ernsthaftigkeit in die Dörfer. Die meisten Weingärtner konnten sich diesen Umbau ihrer Weinberge damals aber schlicht nicht leisten.

Die eigentliche Wende kam von unten. 1858 schlossen sich fünfzig Weingärtner in Fellbach zur ersten selbstständigen Winzergenossenschaft Deutschlands zusammen. Ihr einziges Ziel: gemeinsam bessere Qualität erzeugen, mehr als jeder für sich allein schaffte. Das Modell verbreitete sich in den folgenden Jahrzehnten durch das ganze Land, Dorf für Dorf, Tal für Tal.

Heute vermarkten mehr als fünfzig Genossenschaften rund achtzig Prozent des württembergischen Weins, ein Anteil, den kein anderes deutsches Anbaugebiet erreicht. Die größte von ihnen, die Zentralgenossenschaft in Möglingen, bündelt über ihre Mitgliedsgenossenschaften Trauben von mehr als elftausend Weingärtner-Familien. Wer heute einen Trollinger oder Lemberger aus Württemberg trinkt, trinkt meist auch ein Stück dieser Geschichte der kleinen Leute, die sich zusammentaten.

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