Klima in der Region Hampshire

Frost, Kreide, Meer

Klima

Hampshire liegt auf rund 51 Grad nördlicher Breite, weiter nördlich als die gesamte Champagne. Lange war die Grafschaft schlicht zu kalt für ernsthaften Weinbau. Erst steigende Durchschnittstemperaturen haben in den vergangenen Jahrzehnten aus einem Grenzfall ein verlässliches Anbaugebiet gemacht, das inzwischen zu den vier größten Weingrafschaften Englands zählt.

Trotzdem bleibt jedes Frühjahr eine Zitterpartie. Am 27. April 2017 fiel die Temperatur auf einem Hampshire-Weinberg auf minus sechs Grad, während anderswo in England ganze Ernten um bis zu achtzig Prozent einbrachen. Ein einziger kalter Morgen kann die Arbeit eines ganzen Jahres zunichtemachen, denn junge Austriebe vertragen kaum Frost. Deshalb liegen die besten Parzellen an sanften Südhängen der South Downs, wo die Kaltluft nachts talwärts abfließt, statt sich zu sammeln.

Der Solent, die Meerenge zwischen Hampshires Küste und der Isle of Wight, wirkt wie ein Puffer, weil Wasser Wärme länger speichert als Land und langsamer auskühlt. Dadurch mildert es die Extreme in Küstennähe. Frost bleibt dort seltener als zwanzig Kilometer weiter im Landesinneren.

Die Vegetationsperiode selbst ist knapp bemessen. Austrieb im April, Lese oft erst Anfang bis Mitte Oktober, und dazwischen liegen deutlich weniger Sonnenstunden als in jedem südeuropäischen Anbaugebiet. Was fehlt, gleicht die Kreide ein Stück weit aus, denn sie speichert Tageswärme und gibt sie nachts wieder ab. Ohne diesen Ausgleich würden viele Trauben in mageren Jahren gar nicht erst reif.

Reicht die Reife trotzdem nicht ganz, greifen Winzer zu einem erlaubten Mittel. Sie setzen dem gärenden Most Zucker zu, um den Alkoholgehalt anzuheben, eine Praxis namens Chaptalisation. Die englischen Regeln erlauben das nur bis zu einer bestimmten Grenze. Voraussetzung ist, dass der Most vorher mindestens sechs Volumenprozent natürlichen Alkohol mitbringt. Es ist kein Trick, sondern die Antwort auf ein Klima, das der Rebe wenig Spielraum lässt.

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