Böden in der Region Kent

Kreide & Feuerstein

Böden

Grab in einem Weinberg der North Downs ein Loch. Nach den ersten zwanzig, dreißig Zentimetern wird die Erde rötlich-braun und voller scharfkantiger Feuersteine, die aussehen, als hätte sie jemand absichtlich dort vergraben. Erst darunter kommt das eigentliche Gestein zum Vorschein: reine, weiße Kreide.

Diese Kreide ist uralt. Sie entstand vor rund achtzig Millionen Jahren am Grund eines warmen, flachen Meeres. Mikroskopisch kleine Kalkskelette unzähliger Algen setzten sich dort Schicht für Schicht ab. Dieselbe Gesteinsschicht taucht unter dem Ärmelkanal ab und kommt in der Champagne wieder an die Oberfläche. Geologen weisen inzwischen zwar kleine Unterschiede im Alter und in den enthaltenen Fossilien nach.

Für die Rebwurzel ist das ein Glücksfall. Kreide ist porös wie ein Schwamm, sie lässt Wasser durch und speichert gleichzeitig einen Vorrat für trockene Wochen. Die Wurzel muss sich also nicht zwischen Steinen hindurchquälen. Sie wächst zügig in die Tiefe und findet dort die gleichmäßige Feuchtigkeit, die reife Trauben ohne Fäulnis oder Stress überhaupt erst möglich macht.

Ganz oben liegt allerdings jene rötliche Lehmschicht mit den Feuersteinen, die Fachleute clay-with-flints nennen. Sie hält deutlich mehr Wasser fest als die Kreide darunter und ist stellenweise mehrere Meter dick. Wo sie dünn bleibt oder ganz fehlt, etwa bei Taittingers Domaine Evremond in Chilham, wurzeln die Reben schneller direkt in der Kreide und liefern am Ende die knapperen, mineralischeren Trauben, die manche Kenner sofort an Kreideweine aus der Champagne erinnern.

Nicht jeder Kent-Weinberg steht überhaupt auf Kreide. Die ältesten Anlagen der Grafschaft, darunter Biddenden, liegen weiter südlich im Weald, auf schwerem Ton und Sandstein statt auf Kalkstein. Diese Böden wärmen sich im Frühjahr langsamer auf, halten dafür aber auch mehr Wasser durch einen trockenen Sommer. Zwei völlig verschiedene Böden, eine einzige Grafschaft: Das erklärt, warum kentische Weine nie ganz gleich schmecken.

Grab dich durchSchicht antippen

Rötlich-brauner Lehm voller scharfkantiger Feuersteinknollen, in Kent clay-with-flints genannt — eine oberflächliche Decke über der Kreide.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Die dichte, wasserhaltende Schicht lässt sie nur langsam in die Tiefe vordringen.

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