Gläser in der Region Kent

Tulpe statt Flöte

Gläser

Bei einem Kit's Coty von Chapel Down oder bei Gusbourne bekommt man heute selten noch die schmale Sektflöte gereicht. Fachleute raten inzwischen fast einhellig zu einem Tulpenglas mit weiterem Kelch, so wie man es sonst für einen kräftigen Weißwein nimmt. Der Grund liegt in der langen Reifung auf der Hefe. Traditionelle Flaschengärung, wie sie fast jeder ernsthafte Kent-Betrieb praktiziert, erzeugt neben feinen Bläschen auch Röstaromen von Brioche und geröstetem Brot, und die brauchen Raum, um sich im Glas erst richtig zu entfalten und den Wein komplexer wirken zu lassen. In einer engen Flöte bleiben sie gefangen.

Bei stillen Weinen aus Bacchus liegt der Fall umgekehrt. Die Traube duftet intensiv nach Holunderblüte, Stachelbeere und frisch geschnittenem Gras, und dieser Duft verfliegt in einem zu weiten Kelch fast augenblicklich. Ein schlankes, sich nach oben leicht verjüngendes Weißweinglas bündelt die Aromen stattdessen genau dort, wo die Nase sie abholt. Der Vergleich mit Sauvignon Blanc ist kein Zufall.

Direkt aus dem Kühlschrank ist Kents Sekt fast immer zu kalt. Sechs Grad unterdrücken jedes Brioche-Aroma und lassen nur noch die Säure durchkommen. Acht bis zehn Grad zeigen deutlich mehr, und dafür genügen schon fünfzehn Minuten außerhalb des Kühlschranks. Der Bacchus verträgt eine ähnliche Temperatur, vielleicht ein, zwei Grad kühler als der Sekt.

Auch die Füllmenge verdient Aufmerksamkeit. Ein Sektglas wird nur bis zur breitesten Stelle gefüllt, sonst läuft der Schaum über den Rand, sobald man das Glas anhebt. Das sind bei einem üblichen Tulpenglas kaum mehr als hundert Milliliter. Darüber bleibt Platz für die Perlage und für den Duft, der sich erst nach und nach aus dem Glas löst.

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