Rebsorten in der Region Kent

Drei plus Bacchus

Rebsorten

Wer einen Kentish Sparkling im Glas hat, trinkt fast immer denselben Dreiklang wie in der Champagne, denn auf Kents Kreideböden reifen Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier spät und ungewöhnlich knapp. Genau diese Knappheit zahlt sich aus. Kleine Beeren pressen mehr Säure und Aroma in jeden Schluck, und daraus entsteht die feine Perlage, die englische Winzer selbstbewusst mit ihren französischen Vorbildern vergleichen. Pinot Meunier trägt hierzulande noch einen zweiten Namen. Schwarzriesling, nach seiner deutschen Herkunft.

Bei den stillen Weinen gehört die Bühne fast vollständig einer einzigen Rebe: Bacchus. Gezüchtet 1933 in Deutschland aus Riesling, Müller-Thurgau und Silvaner, für kühle, schwierige Lagen. Dort blieb sie lange ein Mauerblümchen mit viel Zucker und wenig Säure, während sie im deutlich kühleren Kent zum kleinen Star wurde. Die Säure bleibt hoch. Der Duft nach Holunderblüte und Stachelbeere wirkt geradezu parfümiert, weshalb viele Kenner den Wein inzwischen Englands Antwort auf den Sauvignon Blanc nennen.

Frühe Kent-Winzer setzten dagegen auf robustere, ältere Sorten. Die Familie Barnes in Biddenden etwa vertraute auf Ortega, eine Züchtung, die extrem zeitig reift und selbst in nassen, kühlen Jahren noch zuverlässig genug Zucker liefert. Deshalb macht Ortega bis heute die Hälfte der Biddenden-Reben aus. Auch Seyval Blanc gehört zu diesem älteren Bestand, eine pilzfeste Kreuzung ganz ohne reinen Vitis-vinifera-Anteil.

Für die höchste englische Weinstufe zählen solche robusten Kreuzungen allerdings nicht mit. Erlaubt sind dort nur sechs Rebsorten: Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier, Pinot Noir Précoce, Pinot Blanc und Pinot Gris. Seyval Blanc und Ortega bleiben der offeneren, regionalen Stufe vorbehalten, die fast neunzig Sorten zulässt und nur verlangt, dass fünfundachtzig Prozent der Trauben tatsächlich aus der genannten Gegend stammen. Zwei Regelwerke für eine Grafschaft. Beide erzählen, wie unterschiedlich Kent seinen Wein macht.

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