
Nonnen bis Pasteur
Region & Geschichte
Eine Abtei stand am Anfang, nicht ein Weingut. Die Benediktinerinnen von Château-Chalon bewirtschafteten im Mittelalter die Hänge über ihrem Kloster, urkundlich fassbar seit dem Jahr 869, und pflanzten dort eine Rebsorte, die sonst kaum jemand kannte: Savagnin. Ohne es zu wissen, legten sie damit den Grundstein für den Vin Jaune, den seltensten und teuersten Weißwein Frankreichs.
Dass Wein aus Arbois schon früh berühmt wurde, lag an mächtigen Gästen. 1285 servierte der Graf von Chiny beim Turnier von Chauvency seinen Rittern Arbois-Wein, und im selben Jahrhundert brachte König Philipp der Schöne ihn an den Hof nach Paris. Ein Landwein aus dem Jura am Tisch der Krone: keine Kleinigkeit.
Sechshundert Jahre später kam ein anderer Besucher, diesmal aus der Wissenschaft. 1863 schickte Napoleon der Dritte den Chemiker Louis Pasteur nach Arbois, wo dieser aufgewachsen war, um herauszufinden, warum Wein sauer, ölig oder bitter werden konnte. Pasteur richtete sich ein Labor in einem alten Café ein und fand die Antwort: Mikroorganismen. Jede Weinkrankheit hatte ihren eigenen Erreger. Wer den Wein kurz auf fünfzig bis sechzig Grad erhitzte, tötete ihn ab, ohne den Geschmack zu zerstören. Für dieses Verfahren, das später seinen Namen trug, bekam er 1867 den Grand Prix der Weltausstellung.
Der nächste Einschnitt kam von unten, aus der Erde, unsichtbar. 1879 tauchte bei Beaufort die Reblaus auf, ein Schädling, der aus Amerika eingeschleppt war, und innerhalb von fünfzehn Jahren fraß sie sich durch den ganzen Jura. Von den etwa zwanzigtausend Hektar Reben blieben am Ende kaum zweitausend übrig, ein Verlust von neunzig Prozent. Erst gepfropfte, resistente Unterlagen, entwickelt vom jurassischen Ampelographen Alexis Millardet, machten den Wiederaufbau überhaupt möglich.
Der Neuanfang bekam 1936 ein Siegel. Am 15. Mai wurde Arbois zusammen mit vier weiteren Gebieten Frankreichs als Appellation d’Origine Contrôlée anerkannt. Weil die Dekrete alphabetisch veröffentlicht wurden, gilt Arbois seitdem oft als die allererste AOC des Landes. Nur zwei Wochen später, Ende Mai, folgte Château-Chalon mit einer eigenen, noch strengeren Appellation, die bis heute ausschließlich für den Vin Jaune gilt. Côtes du Jura und L’Étoile kamen 1937 dazu. Geblieben ist bis heute ein winziges Weinland von rund zweitausend Hektar.