
Kalt, aber launisch
Klima
Der Jura liegt am Rand eines Gebirges. Das prägt sein Klima deutlich. Meteorologen nennen es gemäßigt halbkontinental mit Bergeinfluss: harte Winter, kühle, regnerische Frühjahre mit Spätfrostgefahr, heiße, trockene Sommer und sonnige Herbste. In Arbois liegt die mittlere Jahrestemperatur bei rund 11,7 Grad, gemessen über die Jahre 1991 bis 2020, und der Regen fällt mit gut 1.200 Millimetern im Jahr eher reichlich. Trotzdem zählt Lons-le-Saunier übers Jahr fast 1.900 Sonnenstunden, mehr, als man einem so wechselhaften Klima zutrauen würde.
Die Reben selbst wachsen nicht im Tal. Sie stehen am Revermont, dem westlichen Rand des Jura-Massivs zwischen der Ebene der Bresse und dem ersten Plateau, zwischen zweihundert und vierhundertfünfzig Metern Höhe. An Hängen mit Süd- oder Südwestlage holen sich die Trauben, was an Sonne verfügbar ist.
Der Herbst ist die heikelste Jahreszeit von allen. Feuchtigkeit, die dann aus dem Boden aufsteigt, kann die Trauben kurz vor der Lese noch verderben, deshalb sind sonnige, trockene Herbsttage hier Gold wert. Genau in solchen Jahren gelingt auch der Vin de Paille. Für ihn werden ausgewählte Trauben nach der Lese nicht gekeltert, sondern auf Stroh oder Gittern getrocknet.
Diese Trocknung, das Passerillage, dauert mindestens sechs Wochen, oft aber mehrere Monate, bis der Zucker in der Beere sich stark konzentriert hat. Aus hundert Kilo Trauben werden am Ende nur etwa zwanzig Liter Wein, dicht und honigsüß. Ohne die trockene Herbstluft des Jura würde dieser seltene Wein schlicht nicht funktionieren. Ein feuchter, verregneter September macht ihn manche Jahre unmöglich.