Region & Geschichte in der Region Korsika

Genua bis Patrimonio

Region & Geschichte

Im Jahr 565 vor Christus landen phokäische Griechen an der Ostküste Korsikas und gründen Alalia, das heutige Aléria. Sie bringen die Rebe mit. Dazu kommen der Ölbaum und das Wissen um Veredelung und Schnitt. Sechshundert Jahre lang bleibt Alalia ein Handelsposten für Wein, bevor Rom die Insel übernimmt und den Export ausweitet.

Nach dem Ende des römischen Reichs verschwindet der Weinbau fast vollständig. Erst im elften Jahrhundert beleben Mönche aus Pisa den Anbau neu, zunächst nur für den Messwein. Ab 1284, nach einer Seeschlacht vor Meloria, übernehmen die Genuesen die Küsten der Insel — ins Innere dringen sie kaum vor, dafür sind Berge und Macchia zu unwegsam. Stattdessen bauen sie befestigte Häfen: Calvi, Bonifacio, später auch Anlagen rund um das heutige Patrimonio. Fast fünf Jahrhunderte bleiben die Genuesen. Mit ihnen kommt vermutlich eine dunkelbeerige Rebe auf die Insel, die man später Niellucciu nennt.

Erst eine DNA-Analyse Ende der Neunzigerjahre zeigte, was Winzer längst vermutet hatten: Niellucciu ist genetisch identisch mit dem toskanischen Sangiovese, nur über Jahrhunderte auf einer Insel gewachsen und dabei eigenständig geworden. Wie genau die Rebe herüberkam, lässt sich heute nicht mehr sicher klären.

1768 verkauft die Republik Genua die Insel im Vertrag von Versailles an Frankreich. Sie bekommt dafür eine jährliche Zahlung. Pasquale Paolis kurze korsische Republik hält noch ein Jahr durch, dann verliert sie 1769 bei Ponte Novu. Wenige Monate später wird in Ajaccio Napoleon Bonaparte geboren.

Für den Wein bringt das neue Jahrhundert zunächst Wachstum, dann, um 1900, die Reblaus, die fast alles vernichtet. Der nächste große Einschnitt kommt nach 1962. Über siebzehntausend Menschen siedeln nach der algerischen Unabhängigkeit als sogenannte Pieds-noirs auf die Insel und pflanzen Reben in großem Stil. Die Fläche wächst auf über dreißigtausend Hektar, fast alles einfacher Massenwein. Als der Markt in den Siebzigerjahren zusammenbricht, schrumpft sie bis 1990 auf ein Drittel davon. Erst seither setzt Korsika konsequent auf eigene Sorten und auf Herkunft statt auf Menge. Die staatlich kontrollierte Herkunftsbezeichnung AOC, kurz für Appellation d'Origine Contrôlée, hatte Patrimonio dabei schon 1968 als erstes Gebiet der Insel erhalten — beantragt hatten es die dortigen Winzer bereits 1942.

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