
Griechen bis Revolte
Region & Geschichte
Griechische Seefahrer aus Phokäa gründeten im sechsten Jahrhundert vor Christus die Handelsstation Agde und brachten die ersten Reben mit. Das war lange vor Rom. Als die Römer 118 vor Christus mit Narbonne ihre erste Kolonie nördlich der Alpen gründeten, stand der Weinbau in der Gegend längst. Über die Via Domitia floss der Wein von dort bis nach Béziers und weiter durch halb Europa.
Dann kam die Reblaus, und mit ihr eine Antwort, die dem Land bis heute anzusehen ist. Wiederaufgepflanzt wurde vor allem mit Carignan, einer Sorte, die auf der Ebene enorme Mengen brachte und kaum Pflege brauchte. 1988 zählte Frankreich landesweit rund 167.000 Hektar davon, mehr als von jeder anderen roten Sorte. Wein wurde zur Massenware. Dünn, mit Zucker nachgebessert, und Europa nannte das Ergebnis bald den Weinsee.
1907 platzte die Wut. Algerischer Wein kam billig über den Hafen von Sète, die Preise stürzten binnen weniger Jahre ins Bodenlose, und Winzer, die von ihrer einzigen Ernte lebten, standen plötzlich vor dem völligen Ruin. Marcelin Albert, Winzer aus dem kleinen Argeliers, zog im März mit siebenundachtzig Nachbarn nach Narbonne, vor eine Untersuchungskommission. Am neunten Juni versammelten sich rund fünfhunderttausend Menschen in Montpellier, die größte Kundgebung, die Frankreich bis dahin gesehen hatte. Aus der Revolte wurde ein Gesetz gegen Weinbetrug.
Die Antwort auf zu viel Wein kam erst achtzig Jahre später, und sie hieß Rodung. Zwischen 1980 und 2000 verschwand allein im Hérault fast ein Drittel der Rebfläche, von rund 210.000 auf 75.000 Hektar. Was blieb, wuchs an den Hängen. Aus der Menge wurde langsam Qualität, und 1985 bekam das Gebiet dafür seinen eigenen Namen: Coteaux du Languedoc, seit 2007 kürzer Languedoc.
Die älteste Überlieferung des Gebiets steht nicht im Weinberg, sondern im Keller von Limoux. Der Legende nach bemerkten 1531 Mönche der Abtei Saint-Hilaire, dass ihr abgefüllter Wein im Frühjahr plötzlich schäumte. Es war eine zweite Gärung in der Flasche, lange vor dem ersten Champagner. Heute umfasst die AOC Languedoc als Dachbezeichnung mehr als 50.000 Hektar, bestockt sind davon nur rund 5.800. Die meisten Winzer schreiben lieber Faugères, Minervois oder Corbières aufs Etikett.