
Wind, Sonne, Trockenheit
Klima
Das Roussillon ist eine der trockensten großen Weinregionen Frankreichs, und der Grund dafür hat einen eigenen Namen: Tramontane, der kalte, trockene Nordwestwind, der von den schneebedeckten Pyrenäen auf die Ebene fällt. Er weht in Perpignan im langjährigen Mittel an rund 120 Tagen im Jahr, mit Böen über 60 Kilometer pro Stunde, in starken Jahren auch an über 130 Tagen. Er trocknet die Trauben nach Regen binnen Stunden. Dabei hält er Pilzkrankheiten fern. Gleichzeitig zehrt er an jedem Tropfen Wasser, den die Rebe eigentlich bräuchte.
Dazu kommt Sonne satt. Rund 2500 Stunden im Jahr scheint sie hier, an rund 300 Tagen überhaupt mit Sonnenschein. Der Regen dagegen fällt eng gebündelt: 500 bis 650 Millimeter im Jahr, meist als heftige Gewitter im Frühling und Herbst, dazwischen wochenlang nichts. Für eine Rebe, die zwischen Mai und September Wasser bräuchte, ist das eine harte Rechnung.
Winzer beantworten sie mit einer alten Erziehungsform: dem gobelet, der freistehenden Buschrebe ohne Draht und Pfahl. Niedrig gehalten, wirft sie ihren eigenen Schatten auf den Boden und braucht kein Gerüst, das die Tramontane ohnehin umreißen würde. Die Erträge bleiben klein, oft unter dreißig Hektolitern je Hektar bei den alten Grenache- und Carignan-Parzellen. Genau diese Kargheit steckt später im Glas — Menge war hier nie das Ziel.
Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht rettet dabei die Säure. In den Bergdörfern des Fenouillèdes, auf drei- bis vierhundert Metern Höhe, kühlt es nachts spürbar ab. Unten an der Küste bei Banyuls bleibt es dagegen fast mediterran mild. Diese zwei Klimazonen liegen kaum vierzig Kilometer auseinander und erklären, warum ein Wein aus Tautavel straffer schmeckt als einer aus Collioure.