Böden in der Region Roussillon

Schiefer & Geröll

Böden

Auf den Terrassen von Banyuls und Collioure fallen die Hänge mit bis zu fünfzig Prozent zum Meer ab. Man spürt das in den Waden schon nach wenigen Schritten. Kleine Trockenmauern aus geschichtetem Schiefer halten jede einzelne Stufe fest. Wo bei einem Gewitter Wasser abfließen muss, leiten schräge Steinrinnen es kontrolliert nach unten — peus de gal nennen die Winzer diese Rinnen, Hahnenfüße, nach ihrer Form.

Unter der dünnen Humusschicht liegt fast überall derselbe Fels: dunkler, brüchiger Schiefer. Er zerfällt in Platten und ist kaum zwanzig bis fünfzig Zentimeter tief von losem Verwitterungsschutt bedeckt. Darunter beginnt sofort das massive Muttergestein. Die Rebwurzel muss sich hindurchzwängen, findet kaum Nährstoffe, dafür aber Wärme: Schiefer speichert tagsüber Sonnenenergie und gibt sie nachts wieder ab, was die Reife der Beeren beschleunigt.

Ganz anders sieht der Boden wenige Kilometer landeinwärts aus, an den Terrassen von Agly und Têt bei Rivesaltes. Dort liegen abgerundete Flusskiesel, galets roulés, eingebettet in roten Lehm, manchmal sechs bis acht Meter mächtig. In etwa dreißig bis vierzig Zentimetern Tiefe verkittet Kalk diese Kiesel zu einer harten Schicht, taparas genannt. Sie speichert Wasser wie ein Schwamm und gibt es der Rebe erst in den heißesten Wochen des Sommers frei.

Ein Irrtum hält sich hartnäckig, auch hier: Man liest oft, Schiefer schmecke man im Wein als Mineralität. Das stimmt so nicht. Was aus dem Gestein zur Rebe gelangt, sind gelöste Mineralstoffe in derart winzigen Mengen, dass keine Zunge sie als solche erkennen könnte. Der Boden wirkt indirekt: über die Wärme, die dunkler Schiefer speichert, und über das bisschen Wasser, das taparas oder Schieferspalten festhalten. Beides zusammen zwingt die Rebe zu kleinen, konzentrierten Beeren. Dieser Umweg entscheidet, nicht der Fels selbst.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Rebholz und Hangkräutern. An steilen Terrassen oft nur eine Handbreit.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Nach einem trockenen Tramontane-Tag sind sie die Ersten, die kein Wasser mehr finden.

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