
Grenache, Carignan, Muscat
Rebsorten
Eine Sorte trägt hier fast alles: Grenache. In Grenache Noir, Gris und Blanc steckt mehr als die Hälfte der roten Rebfläche des Roussillon. Die Sorte kann fast alles, wofür man sie hier braucht — süß und aufgespritet für Banyuls, trocken und kräftig für die Côtes du Roussillon. Sie treibt spät aus, das schützt vor Spätfrost, und sie verträgt Trockenheit besser als fast jede andere rote Sorte Frankreichs.
Ihr ältester Partner heißt Carignan. Den findet man hier oft uralt. In den Bergdörfern des Fenouillèdes, vor allem um Tautavel, Caramany und Latour-de-France, stehen Carignan-Stöcke von fünfzig, manchmal über hundert Jahren. Tief verwurzelt im Schiefer bringen sie kaum Ertrag, aber Konzentration in jeder Beere. Eine Gemeindeverordnung von Maury schrieb schon 1908 einen Mindestanteil von 75 Prozent Grenache vor. Carignan war damals nur die Ergänzung, heute ist er selbst gesucht.
Für Wucht und Würze kamen später zwei weitere Sorten dazu. Mourvèdre bringt Wildkräuter und feste Tannine, Syrah dunkle Frucht und Pfeffer, und beide zusammen strukturieren die roten Côtes du Roussillon Villages, wo mindestens zwei Sorten gemischt werden müssen. Reiner Grenache wirkt oft rund bis weich; mit Mourvèdre oder Syrah bekommt derselbe Wein eine Kante.
Bei Weiß und bei Süß gilt eine andere Reihenfolge. Macabeu und Tourbat, auch Malvoisie du Roussillon genannt, tragen die trockenen Weißweine. Für den süßen Muscat de Rivesaltes dagegen sind zwei ganz verschiedene Muskatsorten erlaubt: der feinere Muscat à Petits Grains und der gröbere Muscat d'Alexandrie. Beide reifen unter der Roussillon-Sonne zu einem Traubenzucker, der später nicht vergoren, sondern eingefangen wird — das Thema der nächsten Stationen.