Region & Geschichte in der Region Kreta

Minoer bis heute

Region & Geschichte

Bei Vathypetro, fünf Kilometer südlich von Archanes, steht die älteste Weinpresse der Welt. Sie ist rund dreitausendsechshundert Jahre alt. Eine flache Wanne aus gebranntem Ton nahm die Trauben auf, ein schmaler Kanal führte den Most in ein Sammelgefäß, und beides steht noch heute an derselben Stelle, wo es die Minoer vor mehr als dreitausend Jahren gebaut haben. Rom gab es da noch nicht.

Venedig eroberte Kreta nach dem Vierten Kreuzzug. Die Hafenstadt am Nordufer wurde sein wichtigster Umschlagplatz für einen süßen Wein namens Malvasia. Die Stadt hieß damals Candia. Ihr älterer Name, Handakas, geht auf einen tiefen Graben zurück, den arabische Eroberer im neunten Jahrhundert um die Mauern zogen — daraus wurde Chandax auf Griechisch und Candia auf Venezianisch. Aus Candia liefen die Schiffe mit Malvasia sechs Jahrhunderte lang nach Venedig aus, und von dort weiter in den Norden — die venezianischen Weinstuben hießen nach der Fracht schlicht malvasie.

Das Ende kam langsam und dann plötzlich. Ab 1645 belagerten osmanische Truppen die Stadt, und die Belagerung zog sich über einundzwanzig Jahre hin — die längste in der bekannten Kriegsgeschichte —, bis Venedig 1669 aufgab und Kreta an die Osmanen abtreten musste. Der Handel mit Malvasia brach zusammen. Weinbau gab es weiterhin, vor allem in den Klöstern und auf den Feldern der christlichen Bauern. Er diente nur noch dem eigenen Tisch, nicht mehr dem Export.

Erst die Neunzigerjahre brachten die Wende. Die Familie Lyrarakis pflanzte 1992 zwei fast verschwundene weiße Sorten wieder an. Der Ort war ihr Weinberg Psarades, auf 480 Metern Höhe: Dafni und Plyto. Dafni heißt nach dem Lorbeer, weil der Wein an ihn erinnert. Ein bronzezeitliches Gefäß aus Chania trägt schon die Worte „Dafnitos Oinos“ — Wein aus Dafni. Beide Sorten gab es fast nicht mehr. Die vier großen Ursprungsgebiete Kretas — Peza, Archanes, Dafnes und Sitia — stehen zwar schon seit 1971 auf dem Papier, aber lebendig wurden sie erst, als Winzer wie diese wieder auf einheimische Sorten statt auf Menge setzten.

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