Rebsorten in der Region Kreta

Kotsifali & Mandilaria

Rebsorten

Kotsifali hat kaum Farbe. Ihre Schale enthält wenig von den Stoffen, die Rotwein rot machen. Auch das Tannin — jener raue Belag am Zahnfleisch nach einem Schluck — bleibt schwach. Dafür duftet sie: nach reifer Kirsche, Gewürznelke und getrockneten Blüten, mit viel Zucker in der Beere und entsprechend viel Alkohol im Glas. Allein ergäbe das einen Wein ohne Rückgrat.

Mandilaria liefert genau das Gegenteil. Dunkel bis ins Violette, sauer, reich an Tannin, dazu eher zurückhaltend im Duft — eine Sorte, die für sich allein hart und karg schmeckt. Erst zusammen ergeben Kotsifali und Mandilaria den roten Standardwein von Peza und Archanes: Farbe und Struktur kommen von der einen, Frucht und Weichheit von der anderen, und in Archanes müssen beide Sorten sogar gemeinsam vergoren werden. Seit 1971 steht das so in den Vorschriften beider Ursprungsgebiete.

Bei Weiß gehört die Insel fast einer einzigen Sorte: Vilana. Unkompliziert, ertragreich, nach Zitrus. In Peza muss ein weißer Wein zu hundert Prozent aus ihr bestehen. Vidiano dagegen war vor zwanzig Jahren fast verschwunden und gilt heute als die spannendste weiße Sorte Kretas. Sie duftet nach Aprikose, Pfirsich, Bergamotte und Kamille, dazu ein fülliger Körper, der auch ein Jahr im Holzfass verträgt.

Liatiko ist von allen kretischen Rebsorten die widersprüchlichste. Sie zählt als rote Sorte, sieht im Glas aber blass aus wie ein Rosé. Der Grund: kaum Farbstoff in der Schale — ein Merkmal, das sie mit dem toskanischen Sangiovese teilt. In Dafnes muss ein Wein zu hundert Prozent aus Liatiko bestehen, trocken wie süß. In Sitia trägt sie mindestens achtzig Prozent des roten Verschnitts mit Mandilaria. Sonnengetrocknet wird aus derselben Traube ein honigsüßer Wein, der Jahrzehnte hält.

Daneben stehen kleinere Namen. Thrapsathiri ergänzt Vilana im weißen Sitia zu dreißig Prozent und bringt mehr Säure und Kräuterduft mit. Dafni und Plyto, vor dem Aussterben gerettet, wachsen bis heute fast nur in einem einzigen Weinberg. Wer durch die acht Stationen dieser Reise geht, trifft Kotsifali, Mandilaria, Vilana, Vidiano und Liatiko wieder, eine Kombination, die es so auf keiner anderen griechischen Insel gibt — sie sind die eigentliche Grammatik des kretischen Weins.

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