
Boutari bis 1971
Region & Geschichte
Der Mythos beginnt, bevor irgendeine Urkunde beginnt. An den Hängen des Vermio, erzählt die griechische Überlieferung, lebte Semele, die Mutter des Weingottes Dionysos, und hier kam sein tanzender Begleiter Silenos zur Welt. Ob man das glaubt oder nicht: Wein wuchs hier, seit sich Menschen erinnern können.
Handfeste Belege setzen später ein, dafür sind sie eindeutig. 1528 taucht die Gegend um Naoussa in osmanischen Steuerregistern als Weinbaugebiet des Bezirks Veria auf. Ab 1700 häufen sich dann Reiseberichte, die den Wein loben. Der Bischof Meletios nannte Naoussa 1728 „berühmt für seinen ausgezeichneten Wein“. Der französische Konsul François Pouqueville schrieb 1826, es sei einer der besten Weine Makedoniens. Der Geschmack sei sauer-herb, notierte er, und mache den Wein erst im vierten oder fünften Jahr nach der Ernte trinkbar. Und der Reisende Esprit-Marie Cousinéry verglich Naoussa 1831 mit Burgund: In Makedonien koste dieser Wein immer das Doppelte der anderen, schrieb er, nur der von Tenedos sei noch besser.
1879 begann Ioannis Boutaris in Naoussa mit dem Weinhandel. Anfang des 20. Jahrhunderts kam die erste eigene Kellerei an der Zafeiraki-Straße dazu, unten die Presse, oben die Seidenraupenzucht im selben Haus. Von hier ging „Naoussa Boutari“ auf die Reise, der erste abgefüllte Rotwein Griechenlands mit Herkunftsangabe auf dem Etikett.
Dann kam der Einbruch. Die Reblaus erreichte die Weinberge 1928, zwei Weltkriege folgten, und in den sechziger Jahren waren von einst tausenden Hektar nur noch fünf übrig – die Bauern pflanzten stattdessen Äpfel, die hier bis heute gut gedeihen. Erst die Enkel von Ioannis Boutaris, Giannis und Konstantinos, kauften wieder Land in Giannakochori und bauten den Weinberg neu auf.
1971 wurde Naoussa per königlichem Dekret zur ersten geschützten Ursprungsbezeichnung Griechenlands. Die Regel war schon damals streng: reiner Xinomavro, aus festgelegter Zone, mindestens ein Jahr im Eichenfass. 1976 pflanzten die Winzer die meisten Weinberge neu. In den Neunzigern kam die zweite Welle: Aus der Trennung der Boutaris-Brüder entstand das Weingut Kir-Yianni, und junge Winzer wie Apostolos Thymiopoulos lasen den alten Xinomavro neu. Heute arbeiten in der Zone dreiundzwanzig Winzer, viele davon unter vierzig.