
Stahltank oder Barrique
Herstellung
Die Schale bleibt beim Gären mit im Tank. Daraus entsteht der ganze Unterschied zwischen einem hellen Rosé und einem tiefdunklen Agiorgitiko. Presst man die Trauben fast sofort ab, bleibt kaum Farbe und Tannin im Wein zurück; lässt man die Schalen wochenlang mit dem Most stehen, holt man beides in voller Stärke heraus.
Für den leichten, fruchtigen Stil greifen manche Winzer zur karbonischen Mazeration, bei der ganze, unversehrte Trauben unter Kohlendioxid in der eigenen Haut gären, bevor überhaupt gepresst wird. Der entstehende Wein schmeckt intensiv nach Erdbeere und Kirsche, fast ohne Tannin. Solche Weine kommen oft schon wenige Wochen nach der Lese in den Verkauf.
Für die ernsteren Weine dauert die Maischezeit zwei bis vier Wochen, danach kommt der Wein ins Fass. Wo früher meist große, alte Holzfässer standen, die kaum Aroma abgaben, reifen die Weine heute oft in kleineren Barriques aus französischer oder amerikanischer Eiche. Die fassen jeweils nur 225 Liter. Das bringt deutlich mehr Vanille- und Röstton in den fertigen Wein. Ob das zu Agiorgitiko passt, ist unter Winzern bis heute umstritten.
Das griechische Weinrecht kennt für solche gereiften Rotweine zwei geschützte Stufen. Reserve darf sich ein Nemea nennen, der insgesamt drei Jahre gereift ist, davon mindestens sechs Monate im Holz und sechs weitere in der Flasche. Grande Reserve verlangt vier Jahre insgesamt, davon je mindestens zwei Jahre im Fass und in der Flasche. Manche Weingüter übertreffen diese Zeiten in der Praxis noch.
Beide Wege bestehen nebeneinander. Die große Kooperative der Region füllt seit Jahrzehnten einfache, offene Nemea-Weine für den täglichen Tisch. Kleinere Güter wie jene in Koutsi oder Gymno zeigen seit den Neunzigern, wie lange derselbe Agiorgitiko im Keller reifen kann, ohne müde zu werden.