
Assyrtiko & Aidani
Rebsorten
Auf keiner anderen griechischen Insel bestimmt eine einzige Sorte so viel. Assyrtiko wächst inzwischen auf dem größten Teil der Rebfläche. Seit einer Änderung der Herkunftsvorschrift 2022 muss ein trockener Santorini-Wein zu mindestens fünfundachtzig Prozent aus ihr bestehen — vorher lag die Grenze bei fünfundsiebzig Prozent. Reinsortig abgefüllt wird sie inzwischen noch häufiger, als das Gesetz überhaupt verlangt.
Ihre Besonderheit liegt in der Säure. Die meisten weißen Rebsorten verlieren Säure, sobald sie reif werden, doch Assyrtiko hält dagegen: Sie erreicht hohe Zuckerwerte und schmeckt trotzdem messerscharf, ein Widerspruch, für den Winzer weltweit sie beneiden. Jung riecht sie vor allem nach Limette und einem salzigen Hauch, der an Meerwasser erinnert. Mit einigen Jahren Flasche entwickelt sich daraus ein rauchiger, fast petrolartiger Ton, den man sonst eher von altem Riesling kennt.
Zwei Begleiterinnen stehen fast immer daneben. Aidani duftet nach weißen Blüten und reifer Aprikose und bringt genau die Fülle mit, die Assyrtiko fehlt. Sie ist eine der beiden Sorten, die auch im süßen Vinsanto stehen dürfen. Athiri ist die ruhigere von beiden: weniger Säure, mehr Körper, bis heute mit höchstens fünfzehn Prozent im trockenen Wein erlaubt.
Bei Rotwein sieht die Auswahl dünner aus. Mandilaria liefert kräftige, gerbstoffreiche Weine mit dunkler Frucht, die als geschützte Angabe Kykladen verkauft werden, denn die Herkunftsbezeichnung Santorini gilt ausschließlich für Weiß. Noch seltener steht Mavrotragano im Weinberg. Um das Jahr 2000 bedeckte sie weniger als zwei Prozent der Fläche und war praktisch verschwunden. Erst Haridimos Hatzidakis mit dem Jahrgang 1997 und Paris Sigalas mit dem Jahrgang 1998 legten unabhängig voneinander die ersten trockenen Abfüllungen vor. Beide holten damit eine Sorte zurück, die kurz vor dem endgültigen Aus stand.