
Montepulciano & Pecorino
Rebsorten
Montepulciano trägt hier die Hauptlast. Der Wein ist nach der Traube benannt, nicht nach der toskanischen Stadt gleichen Namens. Die Beeren sind klein, dickschalig und dunkel. Das ergibt viel Farbe und kräftiges Tannin, den rauen Gerbstoff, der nach dem Schluck am Zahnfleisch klebt. Auf manchen Etiketten steht statt Montepulciano der alte Name Cordisco, gedacht, um die ewige Verwechslung mit der Toskana zu entschärfen.
Beim weißen Gegenstück ist die Verwirrung noch größer. Trebbiano d'Abruzzo klingt wie eine Regionalvariante des toskanischen Trebbiano, doch Genetiker sind sich bis heute nicht einig, ob die Rebe eigentlich näher mit Bombino Bianco verwandt ist. Seit 1994 dürfen beide Klone in derselben Flasche stecken, was die Frage in der Praxis erledigt hat. In den Händen von Winzern wie Edoardo Valentini wurde daraus trotzdem einer der langlebigsten Weißweine Italiens, dicht, fast ölig, und mit zwanzig Jahren noch immer frisch.
Pecorino verdankt seinen Namen den Schafen, die auf dem Weg zu den Sommerweiden gern an den süßen, früh reifen Trauben knabberten — pecora heißt Schaf. Fast wäre die Sorte in den Siebzigerjahren beim Umbau der Weinberge ganz verschwunden. Erst 1983 fand der Winzer Guido Cocci Grifoni ein paar überlebende Stöcke wieder. Sie lagen in den Marken, nahe der Grenze zu Abruzzen. 1996 füllte Luigi Cataldi Madonna in Ofena den ersten Wein ab, auf dessen Etikett in den Abruzzen ausdrücklich Pecorino stand. Heute gilt die Sorte als eine der markantesten Weißen Mittelitaliens: viel Säure, eine salzige Kräuternote, kaum Frucht im Vordergrund.
Drei weitere Weiße bleiben meist unter sich. Passerina stammt aus der Gegend um Controguerra bei Teramo und liefert blumige, spritzige Weine mit schlanker Struktur. Cococciola wächst fast nur in wenigen Dörfern der Provinz Chieti. Etwa in Villamagna ergibt er Wein mit viel Zitrusfrische, gern auch als Schaumwein. Am eigenwilligsten ist Montonico: Er wächst an den Hängen des Gran Sasso. Er hat so viel Säure, dass ihn napoleonische Soldaten um 1798 petit champagne nannten, und bleibt trotzdem meist unbekannt außerhalb der Region.