
Küste & Gebirge
Klima
In den Abruzzen stehen die Berge dicht am Meer. Der Gran Sasso, mit beinahe dreitausend Metern der höchste Gipfel der Apenninen, liegt kaum fünfzig Kilometer Luftlinie von der Adria entfernt. Die Maiella daneben schirmt die Küste zusammen mit ihm gegen kalte Luftmassen aus dem Westen ab, wodurch es dort mild und mediterran bleibt, während das Klima im Landesinneren mit jedem Höhenmeter kontinentaler wird.
Zwischen Tag und Nacht liegt in beiden Zonen viel Spannung. Die Nähe der Gebirgsmassive treibt kühle Luft in die Täler, sobald die Sonne untergeht. Diese Kühle rettet die Säure in den Trauben. Was tagsüber an Zucker aufgebaut wird, bleibt so nachts frisch, statt zu verflachen. Ohne diesen Wechsel würden Trebbiano und Pecorino ihre Spannkraft verlieren.
Ein Extremfall liegt im Landesinneren, im Tal des Tirino. Ofena, auf rund fünfhundert Metern gelegen, heißt im Volksmund nur der Ofen der Abruzzen, weil sich die Sommerhitze zwischen den Bergen staut wie in einer Schüssel. Genau dort baut das Weingut Cataldi Madonna einige der konzentriertesten Pecorino- und Montepulciano-Weine der Region an. Tagsüber Glut, nachts Kühle vom Gran Sasso herab — die Trauben reifen unter Stress, und Stress macht konzentrierten Wein.
Von der Küste bis zu den höchsten Weinbergen im Hinterland liegen kaum hundert Kilometer, aber ein enormer Höhenunterschied. Rebflächen ziehen sich von Meereshöhe bis über fünfhundert Meter hinauf, mit spürbaren Folgen für Reife und Säure. Wer Trauben so nah am Gebirge anbaut, gewinnt Frische. Wer zu nah ans Meer geht, riskiert nach Regen Fäulnis durch die feuchte Adrialuft.