Rebsorten in der Region Basilikata

Aglianico und Nachbarn

Rebsorten

Eine einzige Rebsorte trägt fast die gesamte Weinregion. Aglianico steht auf über sechzig Prozent der bestockten Fläche der Basilikata und liefert rund neunzig Prozent der Weine mit geschütztem Namen. Wer die Trauben zum ersten Mal sieht, findet sie unspektakulär — mittelgroß, dunkel, dickschalig. Was daraus im Glas wird, ist es nicht.

Woher der Name Aglianico kommt, ist bis heute nicht ganz geklärt. Die gängigste Erklärung führt ihn auf Ellenico zurück, das neapolitanische Wort für griechisch, entstanden aus einer sprachlichen Verschleifung über Jahrhunderte. Eine zweite Theorie leitet ihn von der antiken Stadt Elea an der Küste Kampaniens ab. Beide Erklärungen erzählen dieselbe Geschichte. Eine Rebe kam mit griechischen Siedlern in den Süden Italiens, lange bevor Rom zur Weltmacht wurde.

Aglianico treibt spät aus und reift noch später — an manchen Hängen erst Anfang November, gut zwei Monate nach dem benachbarten Primitivo in Apulien. Deshalb wächst er fast ausschließlich rund um den Vulture, zwischen zweihundert und siebenhundert Metern Höhe, wo die Nächte kühl genug bleiben, um die Reife nicht zu überstürzen. In der dicken Schale der Beere sitzt reichlich Farbe, dazu kommt viel Tannin — der pelzige Belag, den man nach einem Schluck am Zahnfleisch spürt. Dazu kommt eine Säure, die selbst warme Jahrgänge frisch hält.

Ganz anders sieht es im Süden aus, rund um Matera. Dort dominiert Primitivo, dieselbe Sorte, mit der Apulien berühmt wurde, meist sortenrein ausgebaut zu kräftigen Roten mit Noten von Himbeere und schwarzem Pfeffer. Daneben gibt es einen zweiten, internationaler wirkenden Rotwein aus vor allem Cabernet Sauvignon und Merlot, dem nur ein kleiner Anteil Primitivo beigemischt wird. Für Weißwein sorgt hier vor allem Greco, die bekannteste unter den wenigen weißen Herkunftsbezeichnungen der Basilikata.

Ein dritter, viel kleinerer Fleck liegt bei Roccanova im Südosten der Provinz Potenza. Seit 2009 trägt er eine eigene, junge Herkunftsbezeichnung. Rot- und Roséweine bestehen hier zu sechzig bis fünfundachtzig Prozent aus Sangiovese, den Rest teilen sich Malvasia Nera, Montepulciano und Cabernet Sauvignon. Drei Zonen, drei völlig verschiedene Antworten auf dieselbe Frage: welche Rebe zu welchem Boden passt.

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