
Lambrusco & Verwandte
Rebsorten
Ein Name beherrscht die Weinberge zwischen Modena und Reggio Emilia, aber er steht nicht für eine einzige Rebe. Lambrusco ist eine ganze Familie, mit mindestens sechs eigenständigen Sorten, die sich in Farbe, Säure und Tannin deutlich unterscheiden. Wer „Lambrusco“ bestellt, ohne zu sagen welchen, bekommt irgendetwas zwischen zart und wuchtig.
Am hellsten und duftigsten ist der Lambrusco di Sorbara. Er wächst auf sandigem Schwemmland zwischen den Flüssen Secchia und Panaro. Seine Farbe bleibt fast rosa, und sein Duft nach Veilchen ist so ausgeprägt, dass Verkoster ihn blind erkennen. Am anderen Ende steht der Lambrusco Grasparossa di Castelvetro aus den Hügeln südlich von Modena. Tiefdunkel und gerbstoffreich zeigt er sich, mit schwarzer Beere und Pflaume im Glas. Dazwischen liegt der Lambrusco Salamino di Santa Croce, benannt nach seinen kompakten, wurstförmigen Trauben — salamino heißt kleine Salami.
Reinsortig ist selten einer davon. Fast immer kommt ein Schuss Ancellotta dazu, eine Rebe mit so viel Farbstoff in der Schale, dass zehn bis fünfzehn Prozent reichen, um jeden Lambrusco spürbar dunkler zu färben. Ohne sie wären viele Weine blasser, als es der Markt heute erwartet.
Rot ist hier trotzdem nicht alles. Sangiovese wächst auch in der Romagna, südöstlich von Bologna, wurde dort aber von Anfang an sortenrein ausgebaut statt verschnitten, anders als lange Zeit in der Toskana. Das Ergebnis heißt heute Sangiovese di Romagna: vinöser, frischer und früher trinkreif als sein toskanisches Gegenstück.
Und dann ist da Weiß. Albana liefert sowohl trockene als auch stark gesüßte Weine aus derselben Traube. Ungewöhnlich für eine weiße Sorte ist ihr spürbares Tannin, jener raue Belag, den man sonst eher von Rotwein kennt. Pignoletto, in den Hügeln um Bologna zu Hause, ist leichter und blumiger. Trebbiano Romagnolo, seit dem vierzehnten Jahrhundert dokumentiert, liefert einfachen, frischen Alltagswein. An der sandigen Küste bei Comacchio hält sich die Fortana, auch Uva d'Oro genannt, eine alte Rebe für dünne, kaum alkoholische Rotweine zum Fisch.