
Nebel, Ebene, Hügel
Klima
Die Poebene liegt wie in einer Schüssel. Alpen im Norden und Westen, Apennin im Süden, offen nur zur Adria hin. Feuchtigkeit kommt herein und bleibt liegen. Genau das prägt den Wein.
Im Herbst und Winter entsteht daraus die berühmte Nebbia, der dichte Bodennebel der Poebene. An klaren, windstillen Nächten kühlt der Boden schneller aus als die Luft darüber, Wasserdampf kondensiert. Morgens liegt dann eine weiße Wand über den Feldern zwischen Modena und Ferrara — manchmal so dicht, dass man die nächste Rebzeile kaum noch sieht. Für die längst geernteten Trauben spielt das keine Rolle mehr. Für den Boden schon: Die Feuchtigkeit hält die Reben über den Winter am Leben.
Die Sommer sind das Gegenteil: heiß und schwül, mit einer Luftfeuchtigkeit, die den Winzern in Sorbara und Castelvetro gleichermaßen zu schaffen macht. Wer in der Ebene pflanzt, kämpft gegen Pilzdruck und gegen träge Nächte, in denen die Säure kaum absinkt.
Höhe hilft, wie überall. Die Sangiovese-Hügel von Bertinoro, Predappio und Modigliana liegen am Übergang zwischen Ebene und Apennin, zwischen hundert und fast sechshundert Metern. Dort sind die Nächte spürbar kühler als unten am Fluss, und diese Differenz zwischen Tag und Nacht hält eine Frische fest, die man einer so südlichen Lage kaum zutraut.
An der Küste wiederum, bei Comacchio und im Bosco Eliceo, mildert das Meer beides: weniger Frost im Winter, aber auch weniger Hitzespitzen im Sommer, dafür Salzwind, der über die Sandböden streicht. Drei Klimazonen auf engem Raum — Ebene, Hügel, Küste — und daraus werden drei völlig verschiedene Weinstile.