Klima in der Region Friaul

Alpen, Adria, Bora

Klima

Nirgendwo in Norditalien wechselt das Klima auf so kurzer Strecke wie hier. Im Norden schützen die Julischen Alpen vor kalten Nordwinden, im Süden mildert die Adria die Winter, und dazwischen liegen nur wenige Dutzend Kilometer. Wer im Collio steht, blickt auf sanfte Hügel zwischen hundert und dreihundertfünfzig Metern, feucht und grün, mit reichlich Regen im Herbst. Bis zu anderthalb Meter fallen dort im Jahr. Mehr als fast überall sonst in der Region.

Ganz anders ist es zwanzig Kilometer weiter südlich, im Carso oberhalb von Triest. Dort peitscht die Bora über die Hochebene, ein kalter Fallwind aus dem Nordosten, der in Böen über hundertfünfzig Stundenkilometer erreicht. Er trocknet die Trauben nach jedem Regen binnen Stunden. Er hält auch Pilzkrankheiten fern, zwingt die Reben aber in eine gebückte, fast am Boden kriechende Erziehung, damit sie dem Wind nicht schutzlos ausgeliefert sind. Ohne ihn gäbe es hier keinen Weinbau. Mit ihm ist jede Ernte ein kleiner Kampf.

Im Landesinneren, auf der Kiesebene der Grave, sorgt der Tagliamento für ein deutlich kontinentaleres Klima. Die Sommer sind dort heißer, die Winter kälter. Der durchlässige Kiesboden speichert tagsüber Wärme, die er nachts wieder abgibt, und das treibt die Reife der roten Sorten voran, kostet aber Frische. Ein Grund, warum die aromatischen Weißen eher aus den kühleren östlichen Hügeln kommen. Die kräftigeren Rotweine kommen eher aus der Ebene.

Entscheidend ist am Ende der Unterschied zwischen Tag und Nacht in den Hügeln des Collio. Im September steigt das Thermometer tagsüber oft über dreißig Grad und fällt nachts auf zwölf, und genau dieser Sprung hält die Säure in den Trauben fest, während die Aromen reifen. Ohne ihn schmeckten Friulano und Ribolla Gialla stumpf statt spannungsvoll. Der Klimawandel verkürzt diesen Sprung inzwischen messbar. Viele Winzer ernten heute zwei bis drei Wochen früher als noch vor dreißig Jahren.

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