
Ponca & Terra Rossa
Böden
Grab in einem Hügel des Collio ein Loch, und du kommst nicht weit. Nach kaum zwanzig Zentimetern stößt die Schaufel auf Platten aus grauem Mergel und gelblichem Sandstein, dünn geschichtet wie ein aufgeschlagenes Buch. Die Einheimischen nennen das Gestein Ponca. Geologen sprechen vom Flysch di Cormons.
Entstanden ist er vor rund vierzig Millionen Jahren auf dem Grund eines warmen Meeres. Immer wieder rutschten Sedimentströme den damaligen Kontinentalhang hinab und lagerten sich in Schichten ab, feiner Ton als Mergel, gröberer Sand als Sandstein, wieder und wieder, bis die Alpenfaltung das Ganze aus dem Wasser hob. Was heute als Hügelkette über dem Collio liegt, war einmal Meeresboden.
Diese Schichtung macht den Ponca zugleich fruchtbar und instabil. Wasser und Wurzeln kommen zwischen den Platten leicht durch, was den Reben in trockenen Sommern hilft. Der Boden verwittert aber auch rasch. Er rutscht bei starkem Regen ganze Hänge hinab. Deshalb ziehen die Winzer im Collio ihre Reihen nicht gerade, sondern in geschwungenen Terrassen, ronchi genannt, die dem Hang folgen wie Höhenlinien auf einer Karte und den Boden am Platz halten.
Zwanzig Kilometer südlich, im Karst über Triest, sieht der Boden völlig anders aus. Dort liegt auf hartem Kalkstein nur eine dünne Schicht Terra Rossa, ein leuchtend rotes, eisenreiches Erdreich, das sich in Spalten und Dolinen sammelt statt flächig zu liegen. Zwischen den Steinbrocken bleibt kaum genug Erde für eine einzelne Rebe. Genau das erzwingt den kargen, mineralischen Stil der Vitovska.
Wieder anders ist die Ebene der Grave im Westen. Dort haben Tagliamento und Meduna über Jahrtausende Kies aus den Alpen herangeschwemmt, meterdick und fast humusfrei. Das Wasser versickert sofort. Die Reben treiben ihre Wurzeln tief, und die Weine werden geradliniger als die filigranen Weißen aus dem Ponca. Drei Böden, eine Region, und drei völlig verschiedene Weinstile, obwohl die Trauben oft dieselben sind.
Dünne dunkle Auflage aus Laub und Gräsern. In den steilen Ronchi-Terrassen des Collio hält sie sich kaum, jeder starke Regen spült etwas davon hangabwärts.
Die Wurzel: Die Feinwurzeln sitzen hier und trinken zuerst — und sind nach wenigen trockenen Tagen bereits erschöpft.