Böden in der Region Kalabrien

Sand & Ton

Böden

Grab in einem Weinberg bei Cirò ein Loch, und du triffst zuerst auf lockeren, hellen Sand. Er ist goldbraun bis leicht rötlich, fein, und rieselt fast wie am Strand durch die Finger. Kein Zufall. Dieser Sand war einmal Meeresboden, aufgeschüttet, als das Ionische Meer hier noch weiter ins Land reichte.

Tiefer wird der Boden fester. Nach vierzig, fünfzig Zentimetern folgt kompakter, heller Ton, stellenweise fast weiß, der viel mehr Wasser hält als der Sand darüber. Zwischen Küste und Hügelland wechseln sich diese beiden Böden kleinräumig ab, manchmal innerhalb eines einzigen Weinbergs. Das Anbaugebiet von Cirò erstreckt sich über rund zwanzigtausend Hektar auf gerade einmal fünfundzwanzig Kilometern Küste.

Der Unterschied schmeckt man, besonders im Gaglioppo. Lockerer Sand mariner Herkunft lässt Wurzeln schnell und tief wachsen, gibt kaum Nährstoffe und ergibt schlanke, duftige Weine. Kompakter, weißer Ton dagegen zwingt die Rebe, sich mühsamer durchzuarbeiten und hält mehr Wasser über den Sommer. Das Ergebnis sind Weine mit mehr Struktur und Lagerpotenzial. Wer beide Parzellen nebeneinander verkostet, schmeckt zwei verschiedene Kalabrien in zwei benachbarten Gläsern.

Unter beidem liegt oft Mergel, ein Gemisch aus Ton und Kalkstein, reich an Kalzium, Phosphor und verfügbarem Kalium — diese Mineralstoffe erzeugen aber nicht den vieldiskutierten „mineralischen“ Geschmack im Glas, denn die aufgenommenen Mengen sind viel zu winzig. Sie wirken stattdessen über die Textur des Bodens: über Wasserhaushalt, Wärmespeicherung und wie leicht oder schwer sich die Wurzel hindurcharbeitet.

Deshalb schmeckt ein Cirò von der sandigen Küstenebene meist leichter und blumiger als einer aus den Tonhügeln im Landesinneren. Dabei stammen beide oft aus derselben Traube und aus benachbarten Gemeinden. Die neue DOCG Cirò Classico verlangt deshalb eine genau umrissene Zone zwischen Küste und Hügeln, zusätzlich zur Traube selbst. Der Boden entscheidet mit, wer sich Classico nennen darf und wer nicht.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne, dunkle Auflage aus verrottetem Buschwerk und Kräutern der mediterranen Macchia. Unter der kalabrischen Sonne selten dicker als eine Handbreit.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die den seltenen Regen sofort aufnehmen — und im Sommer als Erste austrocknen.

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