Rebsorten in der Region Kalabrien

Gaglioppo & Verwandte

Rebsorten

Eine Sorte trägt hier fast das gesamte Rotweingewicht. Gaglioppo bedeckt mehr Rebfläche als jede andere Sorte Kalabriens und wächst fast ausschließlich hier — anderswo in Italien findet man ihn höchstens in vereinzelten Versuchsanlagen. Am dichtesten steht er entlang der mittleren und nördlichen ionischen Küste, genau dort, wo auch Cirò liegt.

Lange erzählte man sich, Gaglioppo sei ein Geschenk der alten Griechen, mitgebracht aus der Ägäis vor über zweitausend Jahren. Eine DNA-Analyse aus dem Jahr 2010 widerlegte das. Anhand von zweiundfünfzig genetischen Markern stellten Forscher fest, dass Gaglioppo eine Kreuzung aus Sangiovese und der weißen Sorte Mantonico ist. Beide sind italienisch, keine griechische Importware. Der Mythos war schön. Die Wahrheit ist italienischer, als jeder dachte.

Im Weinberg reift Gaglioppo spät, oft erst Ende September oder Anfang Oktober. Kleine, dickschalige schwarze Beeren halten dabei selbst in heißen Jahren erstaunlich viel Säure. Im Glas zeigt er sich hell für einen Rotwein, rubinrot mit einem Zug ins Granatrote, während der Gaumen das Gegenteil verspricht: warm, trocken, mit kräftigem Tannin. Kirsche und Granatapfel kommen in die Nase, dazu dunkle Gewürze, Veilchen und ein balsamischer Ton, der an Lorbeer erinnert.

Um Gaglioppo herum steht eine kleine Verwandtschaft. Magliocco Canino, verbreitet vor allem an der tyrrhenischen Seite Kalabriens, liefert dort tiefere Farbe und mehr Wucht. Magliocco Dolce, im Cosentino auch Arvino genannt, wächst im Tal des Crati und ergibt weichere, dunkelbeerige Weine mit süßen Gewürzen. Greco Nero rundet die Familie ab. Für die neue DOCG Cirò Classico dürfen Magliocco und Greco Nero zusammen bis zu zehn Prozent beigemischt werden. Mehr nicht — der Rest muss Gaglioppo bleiben.

Auf der weißen Seite steht Greco Bianco, benannt nach den griechischen Kolonisten, die ihn der Überlieferung nach im siebten Jahrhundert vor Christus mitgebracht haben sollen. Aus ihm entsteht der Passito von Bianco, ein Ort an der Küste bei Reggio Calabria. Die Trauben trocknen nach der Lese an, bevor sie gären, und ergeben einen süßen, konzentrierten Weißwein. Mantonico, der stille Vater des Gaglioppo, wird ebenfalls zu einem eigenen Passito verarbeitet und bleibt trotzdem meist im Schatten seines berühmten Nachkommen.

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