
Oinotria bis DOCG
Region & Geschichte
Als griechische Siedler im achten Jahrhundert vor Christus an der ionischen Küste Kalabriens landeten, nannten sie das Land Oinotria — nach dem griechischen Wort oinos, Wein. Hier wuchsen angeblich schon vorher Reben. Sie gründeten Sybaris, Kroton und Lokroi, prächtige Städte, die zusammen mit dem restlichen Süditalien bald als Magna Graecia galten, als Großgriechenland. Wein gehörte von Anfang an dazu.
An der Stelle des heutigen Cirò Marina lag einst Krimisa, und der Wein von dort war kein gewöhnliches Getränk, sondern eine Ehrengabe für die Sieger der antiken Olympischen Spiele. So heißt es zumindest. Selbst Milon von Kroton, mehrfacher Olympiasieger im Ringen, soll ein Liebhaber dieses Tropfens gewesen sein. Ob das stimmt, weiß niemand genau. Sicher ist nur: Der Ruf dieses Weins reicht mindestens zweieinhalbtausend Jahre zurück.
Das ist keine Erfindung der Tourismuswerbung. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt wurde Cirò allen teilnehmenden Athletinnen und Athleten als offizieller Wein der Spiele gereicht, und 2004 erhielten die Sieger in Athen erneut eine Flasche, diesmal einen Cirò DOC Superiore mit dem Namen Krimisa. Zweimal griff eine moderne Olympiade auf dieses Versprechen zurück. Ein Versprechen, das schon in der Antike gegeben worden war.
Amtlich wurde diese Geschichte erst spät anerkannt. Erst im April 1969 erhielt Cirò die Herkunftsbezeichnung DOC, als erste überhaupt in ganz Kalabrien, obwohl das italienische System für solche Bezeichnungen schon seit 1963 existierte. Andere Regionen hatten da längst mehrere. Der Wein, der einst Olympiasieger geehrt hatte, brauchte selbst über zweitausend Jahre, um staatlich anerkannt zu werden.
Im Sommer 2025 kam der nächste Schritt. Die EU-Kommission bestätigte im Juli die neue Stufe Cirò Classico DOCG, wenig später veröffentlicht im Amtsblatt der Europäischen Union, und Kalabrien hatte damit zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Denominazione der höchsten italienischen Kategorie. Mindestens neunzig Prozent Gaglioppo müssen darin stecken, dazu mindestens sechsunddreißig Monate Reifung, davon ein halbes Jahr im Holzfass. Für ein Gebiet, das jahrzehntelang unter dem Ruf billiger Massenweine litt, war das ein später, aber deutlicher Ausgleich.