
Aglianico, Fiano, Greco
Rebsorten
Eine einzige rote Rebsorte trägt fast den ganzen Ruf Kampaniens, und das ist Aglianico. Sie reift so spät, dass die Lese erst Mitte Oktober beginnt und sich in kühlen Jahren bis Mitte November zieht. Das ist später als fast jede andere italienische Rotweinsorte. Die Schale ist dick, das Tannin entsprechend kräftig, dazu kommt eine Säure, die auch nach Jahren im Keller nicht müde wird.
Unter den Weißen steht Fiano an erster Stelle. Schon die alten Römer kannten eine Rebe namens Vitis apiana, benannt nach den Bienen, die ihre süßen Trauben anzogen. Vieles spricht dafür, dass es sich um die Vorfahrin des heutigen Fiano handelt. Im Glas zeigt sie Haselnuss, Akazienhonig und reife Birne, und mit ein paar Jahren Flaschenreife kommen Wachs und ein Hauch Rauch dazu. Fiano ist eine Rebsorte, die Geduld belohnt, im Weinberg wie danach.
Greco wächst vor allem um das Dorf Tufo, auf Böden, die Schwefel und vulkanisches Gestein mischen. Genau das schmeckt man: Zitrusfrucht und geröstete Mandel, dahinter eine feuersteinige, fast rauchige Note. Anders als Fiano bleibt Greco schlanker und geradliniger, mit einer Säure, die den Wein jung hält, selbst wenn er es längst nicht mehr ist.
Eine dritte weiße Sorte tritt gleich in zwei Ausführungen auf. Falanghina Beneventana wächst im hügeligen Hinterland des Sannio und ergibt kräftigere, breitere Weine. Falanghina Flegrea dagegen steht auf dem vulkanischen Sand der Campi Flegrei bei Neapel und bringt schlankere, salzigere Weine hervor. Beide heißen gleich. Geschmeckt haben sie kaum etwas gemeinsam — ein Beweis dafür, wie stark der Boden eine Sorte formt.
Der zweite Rote heißt Piedirosso, auf Kampanisch Per' e Palummo, Taubenfuß, weil Stiel und Traubengerüst beim Reifen dieselbe rote Farbe annehmen wie die Füße einer Taube. Er wächst an der Küste um Neapel und am Vesuv. Dem Taurasi darf er bis zu fünfzehn Prozent beigemischt werden, meist um ihn zugänglicher zu machen. Eine letzte Randfigur ist Coda di Volpe, Fuchsschwanz genannt nach der Form ihrer Traube; sie steht selten allein im Glas, ergänzt aber Fiano und Greco als kleiner, stiller Bestandteil.