
Meer trifft Berg
Klima
Kampanien gehört geografisch klar zum Süden Italiens. Wer das mit gleichmäßiger Hitze verwechselt, irrt sich allerdings. Zwischen der Küste am Golf von Neapel und den Hügeln der Irpinia, keine hundert Kilometer landeinwärts, liegen Welten.
An der Küste, am Vesuv, in den Campi Flegrei und auf Ischia mildert das Meer die Extreme. Die Winter sind warm, Frost ist so gut wie unbekannt. Der Wind, der über den Golf weht, trocknet die Trauben nach Regen rasch wieder ab. Fäulnis hat es hier schwer.
In der Irpinia, wo Taurasi, Fiano di Avellino und Greco di Tufo wachsen, sieht es anders aus. Die Weinberge liegen zwischen vierhundert und siebenhundert Metern, der Winter bringt regelmäßig Schnee, und im Sommer schwankt die Temperatur zwischen Tag und Nacht deutlich stärker als an der Küste. Genau dieser Wechsel hält die Säure in der Traube fest, während die Sonne tagsüber für Reife sorgt.
Diese Höhe erklärt, warum Aglianico erst im Oktober reif wird, manchmal erst Mitte November — spät für eine Rebsorte, die in einer Region wächst, die man sich sonnenverwöhnt vorstellt. Ohne die kühlen Nächte der Irpinia wäre die Säure längst verschwunden, ehe die Beere überhaupt dunkel genug ist.
Wer also behauptet, ganz Kampanien sei gleich warm, hat nur die Küste gesehen. Die Winzer der Irpinia nennen ihr Klima manchmal kontinental, mitten im Süden Italiens. Das klingt paradox. Der Widerspruch verschwindet im Glas jedes Jahr aufs Neue, sobald der erste Schluck Taurasi seine Säure zeigt.