Region & Geschichte in der Region Kampanien

Cuma bis Taurasi

Region & Geschichte

Um 740 vor Christus landeten Siedler aus Chalkis und Eretria an der Küste westlich von Neapel und gründeten Cuma. Es war die älteste griechische Kolonie auf dem italienischen Festland, älter als Neapel selbst und älter als Pompeji. Die Ankömmlinge brachten Reben mit, und der vulkanische Boden nahm sie sofort an. Von hier aus verbreitete sich der Weinbau über ganz Kampanien.

Der Name der wichtigsten roten Rebsorte erzählt dieselbe Geschichte auf Umwegen. Aglianico geht vermutlich auf das Wort Ellenico zurück, italienisch für griechisch, verformt im neapolitanischen Dialekt, bis unter aragonischer Herrschaft im 15. Jahrhundert die heutige Form feststand. Ein paar Täler weiter, im Ager Falernus, wuchs der berühmteste Wein der Antike: von Horaz besungen, jahrzehntelang haltbar, Kaisern vorbehalten. Heute ist von diesem Ruhm nur der Name geblieben.

Nach Rom kamen Langobarden, Normannen, Staufer, Anjou und Aragonesen, und jede Dynastie hinterließ ihre Spuren im Umland von Neapel. Konstant blieb nur die Rebe. Erst im 20. Jahrhundert wurde es eng: zwei Weltkriege, Landflucht, und schließlich die Reblaus, die Europa schon seit den 1880er-Jahren verwüstet hatte und Kampanien erst um 1950 erreichte. Wo Sand statt Lehm im Boden lag, an den Hängen des Vesuv und in den Campi Flegrei, überlebte die Laus nicht. Ein paar Weinberge stehen dort bis heute auf ihren eigenen, nie gepfropften Wurzeln.

Die Antwort auf den Niedergang kam von einer einzigen Familie aus Atripalda. Die Mastroberardinos zahlten Bauern mehr für Aglianico, Fiano und Greco als der Markt für ertragreichere Sorten bot. Damit bewahrten sie diese drei Reben vor dem Verschwinden. Ohne diese Sturheit gäbe es diese drei Weine heute nicht.

Am 23. November 1980 erschütterte ein Erdbeben die Irpinia und tötete beinahe dreitausend Menschen; ganze Dörfer der Taurasi-Zone lagen in Trümmern. Der Wiederaufbau dauerte Jahre. Er brachte aber auch neue Anlagen und neue Aufmerksamkeit für die alten Sorten. 1993 wurde Taurasi als erster Wein Süditaliens zur höchsten Stufe DOCG erhoben, zehn Jahre später folgten Fiano di Avellino und Greco di Tufo. Heute nennt man Taurasi den Barolo des Südens, und das ist kein Zufall: Beide Weine brauchen Geduld, beide stammen von einer Rebe, die spät reift und nichts verzeiht.

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