
Pigato & Rossese
Rebsorten
Die Familie ist enger verwandt, als die drei Namen vermuten lassen. Erbgutanalysen zeigen, dass Pigato, Vermentino und die piemontesische Favorita fast dieselbe Rebe sind, nur unter drei Namen in drei Regionen groß geworden. Pigato bedeutet gesprenkelt, benannt nach den bräunlichen Flecken auf der reifen Beerenschale. Der Name beschreibt einfach, was man sieht. In der Riviera Ligure di Ponente müssen beide Weine zu mindestens fünfundneunzig Prozent aus der namensgebenden Traube bestehen.
An der Ostküste, in den Cinque Terre, dominiert eine dritte weiße Sorte: Bosco. Sie macht mindestens vierzig Prozent des Cinque Terre DOC aus. Albarola und Vermentino ergänzen sie, zusammen höchstens vierzig Prozent. Bosco hat dicke Schalen, die selbst nach Wochen an der Luft kaum faulen — genau das, was man für den Sciacchetrà braucht, den berühmten Süßwein der Region.
Beim roten Rossese ist die Herkunft weniger klar. Eine These verfolgt seine Spur über griechische Siedler bis nach Marseille und in die Provence. Dort lebt dieselbe Rebe unter dem Namen Tibouren weiter, ehe sie in Dolceacqua ihre eigentliche Heimat fand. Bewiesen ist das nicht, nur wahrscheinlich. Sicher ist dagegen, wie die Traube schmeckt: hell in der Farbe, aber mit auffallend viel Säure und einer salzigen Note, die man eher von der Küste erwartet als vom Wein.
Im äußersten Nordwesten, in den Alpentälern um Pornassio, wächst eine vierte rote Traube unter fremdem Namen: Ormeasco. Genetisch ist sie der piemontesische Dolcetto. In der dünneren Bergluft Liguriens wird daraus aber ein hellerer, duftigerer Wein mit weicheren Tanninen. Aus denselben Trauben entsteht der Sciac-trà, ein kurz mazerierter Roséwein — der Name bedeutet wörtlich zerdrücken und abziehen.
Seit 2011 gehört auch Granaccia offiziell zur Riviera Ligure di Ponente DOC. Es ist dieselbe Rebe, die anderswo Grenache oder Alicante heißt, hier aber unter eigenem ligurischen Namen firmiert. Daneben steht Moscato, derselbe süße Muskateller, den auch das Piemont kennt, nur mit Blick aufs Meer statt auf die Alpen angebaut. Über hundert Rebsorten kultiviert Ligurien auf vergleichsweise winziger Fläche.