Region & Geschichte in der Region Ligurien

Luni bis Doria

Region & Geschichte

Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere schrieb um 77 nach Christus seine Naturgeschichte, darin zählt er den Wein aus Luni zu den berühmten Weinen Italiens. Luni lag an der Grenze zur Toskana. Der Hafen hatte ein eigenes Amphitheater und eigene Werften. Bis heute trägt die DOC Colli di Luni, geteilt zwischen Ligurien und der Toskana, diesen Namen weiter — fast zweitausend Jahre nach Plinius.

Ab etwa 1100 begannen Bauern an der Ostküste, die Steilhänge der heutigen Cinque Terre in Terrassen zu verwandeln. Stein auf Stein schichteten sie zu Trockenmauern, ohne einen Tropfen Mörtel — auf Ligurisch heißen sie marogne. Genua war damals eine der reichsten Seerepubliken des Mittelmeers, ihre Galeeren segelten bis Konstantinopel, und der Wein von den Terrassen ging mit an Bord. Wer Matrose war, trank ihn weiter weg von zu Hause als mancher Genuese selbst.

Im Westen, im Bergdorf Dolceacqua, gehörte das Land der Familie Doria. Admiral Andrea Doria erklärte den Rossese zum offiziellen Festwein seiner Flotte, lange bevor jemand an eine Herkunftsbezeichnung dachte. Der Überlieferung nach kostete Napoleon Bonaparte ihn im Schloss der Doria, danach ließ er sich Fässer nach Paris schicken — belegt ist nur die Legende, nicht das Dokument. Sicher belegt ist dagegen der Name selbst: Rossese steht bereits 1425 in einem ligurischen Gedicht, dreihundertfünfzig Jahre vor Napoleon.

Amtlich anerkannt wurde all das erst im 20. Jahrhundert. 1972 erhielt der Rossese di Dolceacqua als erster Wein Liguriens den Status DOC. Ein Jahr später folgte Cinque Terre. Mehr Herkunftsbezeichnungen kamen seitdem kaum dazu, und eine einzige DOCG gibt es bis heute nicht, während das benachbarte Piemont allein neunzehn davon zählt. Ligurien hat schlicht keine Fläche zum Verteilen.

2016 erkannte ein italienisches Gesetz diese Arbeit endlich offiziell an. Es schuf den Begriff viticoltura eroica, heldenhafter Weinbau, für Lagen mit über dreißig Prozent Gefälle oder mit Terrassenbau auf Stein. Allein rund um die Cinque Terre ziehen sich schätzungsweise mehr als sechstausend Kilometer solcher Mauern durch die Landschaft, gebaut über neun Jahrhunderte ohne eine einzige Maschine. Wer heute über Manarola geht, steht auf der Arbeit von über dreißig Generationen.

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