
Chiavennasca & Co.
Rebsorten
Im Veltlin dreht sich fast alles um eine einzige Traube. Nebbiolo heißt sie überall sonst in Italien, hier nennt man sie Chiavennasca. Für die Herkunftsweine Valtellina Rosso und Valtellina Superiore müssen mindestens neunzig Prozent davon im Fass liegen. Der Rest darf aus anderen, in der Lombardei zugelassenen roten Sorten kommen. Das klingt nach wenig Spielraum. Es ist auch wenig Spielraum.
Am Iseosee sieht die Liste anders aus. Franciacorta entsteht aus Chardonnay, Pinot Nero und Pinot Bianco, den drei klassischen Champagner-Trauben. Seit 2017 ist eine vierte erlaubt: Erbamat, eine fast vergessene Sorte aus der Gegend, die spät reift und von Natur aus sehr viel Säure mitbringt. Bis zu zehn Prozent davon dürfen heute in den Verschnitt.
Weiter südlich, im Oltrepò Pavese, wird es unübersichtlicher und auch größer. Über zwölftausend Hektar Reben liegen hier in den Ausläufern des Apennin, mehr als in jedem anderen Teil der Lombardei. Allein dreitausendfünfhundert Hektar davon tragen Pinot Nero — die größte zusammenhängende Fläche dieser Sorte in ganz Italien. Croatina und Barbera prägen die roten, oft als Bonarda verkauften Weine, während Pinot Nero hier meist als stiller Grundwein für Schaumwein endet.
Am Gardasee schließlich, ganz im Osten der Lombardei, steht fast nur eine weiße Sorte: Turbiana. Sie ist eng mit dem Verdicchio aus den Marken verwandt, trägt dickschalige, saftige Beeren und ergibt den Lugana — mindestens neunzig Prozent Turbiana schreibt das Regelwerk vor.
Vier Gebiete, vier ganz verschiedene Trauben, und kaum eine Überschneidung zwischen ihnen. Wer die Chiavennasca aus dem Veltlin mit einem Franciacorta vom Iseosee vergleicht, vergleicht im Grunde zwei fremde Weinländer, die zufällig unter demselben Verwaltungsnamen laufen.