
Berg, See, Ebene
Klima
Vier Regionen, vier Klimazonen — mehr Gegensatz geht kaum. Im Veltlin liegen die Weinberge zwischen 230 und 800 Metern über dem Meer, auf dem sogenannten versante retico, dem sonnigen Nordhang des Tals, der nach Süden blickt.
Genau diese Ausrichtung entscheidet über alles. Tagsüber heizt die Sonne die Terrassen auf, nachts fällt die Temperatur in der dünnen Bergluft schnell. Dieser Wechsel hält die Säure in den Trauben fest, während Zucker und Aroma trotzdem reifen. Ohne diesen täglichen Temperatursturz würde die Chiavennasca in dieser Höhe kaum jemals reif werden.
Am Iseosee dagegen mildert das Wasser die Extreme. Große Seen speichern im Sommer Kühle und geben sie im Winter wieder ab. Südlich des Sees wächst deshalb sogar der Olivenbaum — ein fast mediterranes Klima mitten in Norditalien. Am Gardasee weht dazu noch der Ora, ein Nachmittagswind, der von Süden über das Wasser zieht und die Rebflächen um Lugana trocken und gesund hält.
Im Oltrepò Pavese herrschen wieder andere Regeln, näher am Kontinentalklima des Po-Tals. Wärmere, geschütztere Lagen liegen in den Hügeln des Apennin, aber ohne den mildernden See in der Nähe.
Der Klimawandel trifft die vier Gebiete unterschiedlich hart. Am auffälligsten reagiert man am Iseosee. Weil Chardonnay und die beiden Pinots inzwischen oft zu schnell und zu süß reifen, erlaubte das Regelwerk 2017 die spät reifende, sehr saure Erbamat als Ausgleich. Das ist eine direkte Antwort auf wärmere Sommer, eingepflanzt mitten im Weinberg.