
Antike bis DOCG
Region & Geschichte
Schon die Römer kannten den Namen dieses Tals. Vergil erwähnt in seinen Georgica einen retischen Wein und reiht ihn gleich hinter den Falerner, den berühmtesten Wein Roms. Plinius der Ältere greift das Thema in seiner Naturalis Historia später wieder auf. Das antike Rätien reichte bis weit in das heutige Veltlin. Der Weinbau selbst ist deshalb älter als jeder Name, den man ihm später gab, älter sogar als die Römer, die ihn beschrieben.
Ganz anders begann die Geschichte am Iseosee. Im elften Jahrhundert kamen Mönche aus dem Kloster Cluny in die Hügel südlich des Sees und gründeten dort kleine, befestigte Gutshöfe. Weil diese Höfe von Steuern befreit waren, hießen sie francae curtes, freie Höfe. Daraus wurde später der Name Franciacorta. Von großem Weinhandel konnte damals noch keine Rede sein.
Wie hart die Arbeit an den steilen Hängen des Veltlins war, notierte selbst Leonardo da Vinci. Er durchquerte das Tal Ende des fünfzehnten Jahrhunderts als Ingenieur im Dienst der Mailänder Herzöge. Im Codex Atlanticus hielt er fest, das Veltlin liege umgeben von hohen, furchterregenden Bergen. Trotzdem bringe es sehr kräftige Weine hervor — vini potentissimi, wie er schrieb. An dieser Beobachtung hat sich wenig geändert.
Die amtliche Anerkennung kam erst im zwanzigsten Jahrhundert, und zwar in mehreren Schritten. Das Veltlin erhielt 1968 seine erste Herkunftsbezeichnung, 1998 stieg die Stufe Valtellina Superiore in die höchste italienische Klasse auf, und 2003 folgte der Sforzato. Am Iseosee ging es beinahe noch schneller: Ab 1961 stellte der Önologe Franco Ziliani dort den ersten italienischen Schaumwein nach klassischer Flaschengärung her, dem Vorbild aus der Champagne folgend. Sechs Jahre später bekam die Region ihre DOC, und 1995 wurde Franciacorta als erstes italienisches Gebiet überhaupt für einen Schaumwein in die DOCG aufgenommen.
Zwei Geschichten, ein einziges Gebiet. Auf der einen Seite ein Bergwein, der seit der Antike fast unverändert wächst. Auf der anderen ein Schaumwein, der erst sechzig Jahre alt ist und heute neben Champagner steht. Dazwischen liegt die Lombardei, und sie ist eigentlich keine einzige Region, sondern mehrere, die zufällig denselben Namen tragen.