Rebsorten in der Region Molise

Tintilia & Montepulciano

Rebsorten

Eine Sorte gehört ganz allein dem Molise: Tintilia. Sie steht nirgendwo sonst in nennenswerter Menge, ihr Name deutet auf die kräftige Färbung, und sie bringt so wenig Ertrag, dass sie fast ausgestorben wäre. Im Glas zeigt sie tiefes Rubinrot mit violetten Reflexen. Säure und Tannin liegen dabei in einer Höhe, die viele Neulinge überrascht — Tannin ist der raue Belag, den man nach einem Schluck am Zahnfleisch spürt. Dazu ein Duft nach dunkler Kirsche, Pflaume, etwas Lakritz und schwarzem Pfeffer.

Mengenmäßig regiert trotzdem eine andere Traube. Montepulciano bedeckt weit mehr Fläche. Er bildet das Rückgrat des Biferno Rosso, wo er mit zehn bis zwanzig Prozent Aglianico gemischt wird — mindestens siebzig Prozent müssen es laut Regelwerk sein. Aglianico selbst kommt eigentlich aus Kampanien und der Basilicata, wächst im Molise aber schon so lange, dass ihn niemand mehr als fremd bezeichnet.

Bei den Weißen dominiert seit jeher Trebbiano Toscano mit siebzig bis achtzig Prozent. Ergänzt wird er um andere im Molise zugelassene Sorten wie Bombino Bianco, eine Traube mit dünner Schale und milder Säure, die an der warmen Adriaküste nicht überhitzt. Beide zusammen tragen den Biferno Bianco. Daneben gewinnt Falanghina an Boden, hier mit einer eigenen, mineralischeren Seite. Dazu kommt der seltene Greco del Molise, kaum außerhalb der Region zu finden.

Wer die Etiketten vergleicht, sieht schnell den Unterschied zur Nachbarschaft. Dieselben Sorten wachsen auch in Abruzzen und Apulien. Im Molise aber stehen die Reben meist zwischen zweihundert und siebenhundert Metern Höhe, selten flach. Das drückt den Ertrag und schiebt die Reife nach hinten — ein Grund, warum Tintilia hier so viel Struktur zeigt, während dieselbe Traube in wärmeren Lagen ausgebrannt schmecken würde.

Ganz neu ist diese Mischung nicht. Schon die Molise DOC von 1998 erlaubt über dreißig verschiedene Rebsorten auf demselben Gebiet, autochthone wie zugewanderte. Das macht aus der Region ein kleines Laboratorium: ausprobieren, was funktioniert, ohne die eine Sorte zu vergessen, die es nur hier gibt.

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