
Ora und Höhenmeter
Klima
Der Bozner Talkessel ist der wärmste und sonnigste Weinort Italiens. Rund 2.200 Sonnenstunden zählt man dort im Jahr, mehr als irgendwo sonst im Land. Der Grund liegt in der Lage: Die Alpen schirmen den Kessel nach Norden hin ab, und milde Luft aus dem Süden strömt ungehindert ein.
Steigt man aus dem Talkessel hinaus, ändert sich das Bild schnell. Die Rebflächen Südtirols liegen weit auseinander. Sie reichen von 200 Metern im Etschtal bis über 1.000 Metern in den Terrassen des Eisacktals, und dazwischen liegt fast jedes Klima, das ein Winzer sich wünschen kann. In Kurtatsch etwa reicht eine einzige Gemeinde von 220 bis 900 Metern Höhe. Das ist ein Unterschied von siebenhundert Metern auf engstem Raum, wie ihn kaum ein anderes Weinbaugebiet Europas kennt.
Mittags kommt der Ora. Der warme Wind zieht vom Gardasee her das Etschtal hinauf, weil sich die Luft über den Alpenhängen tagsüber schneller erwärmt als über dem See. Die kühlere Luft vom Wasser zieht dann nach. Er beginnt meist zur Mittagszeit, steht am Nachmittag auf voller Kraft, vor allem rund um Eppan und Kaltern, und lässt danach wieder nach.
Ganz anders tickt das Vinschgau im Westen, die trockenste und kleinste Anbauzone des Landes. Dort schwanken die Temperaturen zwischen Tag und Nacht besonders stark, und genau das mögen Weißburgunder, Riesling und Blauburgunder. Sie brauchen die kühlen Nächte. Nur so behalten sie ihre Säure, während ihnen der Tag die nötige Reife bringt.
Das Eisacktal wiederum ist das nördlichste Weinbaugebiet Italiens überhaupt, eng, alpin und deutlich kühler als der Talkessel im Süden, weshalb hier oft erst spät im Oktober gelesen wird, während man unten in Bozen längst fertig ist.