Rebsorten in der Region Südtirol

Vernatsch & Lagrein

Rebsorten

Auf keiner anderen Sorte ruht die Südtiroler Weingeschichte so lange wie auf Vernatsch. Sie stand noch in den Siebzigerjahren auf gut zwei Dritteln der Rebfläche. Heute sind es kaum mehr als ein Fünftel — und trotzdem bleibt sie die meistgepflanzte Rotweinsorte des Landes. Die Beere hat eine dünne Schale, wenig Farbe, wenig Tannin, also wenig von dem rauen Belag, den ein kräftiger Rotwein am Zahnfleisch hinterlässt. Was bleibt, ist ein helles Rubinrot mit feiner Beerenfrucht und im Abgang eine Spur Bittermandel, die man nicht erwartet und danach nie mehr vergisst.

Wo Vernatsch hell bleibt, geht Lagrein ins Dunkle. Die Traube gilt als die älteste eigenständige Rebsorte Südtirols. Schon 1379 taucht in einem Traminer Dokument „bonum Lagrinum“ auf, vierzig Jahre später „lägrein wein“ in Bozner Schriften. Ihre eigentliche Heimat ist der Bozner Talkessel, genauer der Stadtteil Gries, wo das Kloster Muri-Gries bis heute für die dichtesten Lagrein-Weine steht. Im Glas ist sie fast schwarzviolett, mit Duft nach dunklen Waldbeeren und Veilchen, dazu feste, packende Tannine, die junge Lagrein-Weine anfangs unnahbar machen.

Die dritte Sorte trägt den Namen eines Dorfes im Bozner Unterland: Tramin. Schon um das Jahr 1000 wird dort Wein erwähnt. Von dort wanderte die Rebe weiter. Über Jahrhunderte gelangte sie nach Norden, ins Elsass und ans Rheinland, wo man sie irgendwann Gewürztraminer nannte. Genetisch ist sie eine Mutation der uralten Sorte Savagnin Blanc, und über sechshundert Hektar stehen heute in Südtirol damit bestockt, gut elf Prozent der gesamten Rebfläche.

Im Norden, im schmalen Eisacktal, geht die Geschichte anders weiter, denn dort gedeihen Sorten, die sonst nördlich der Alpen zuhause sind. Sylvaner steht an windgeschützten Hängen. Er wächst dort zwischen fünfhundert und siebenhundert Metern, dazu kommen Kerner, Müller-Thurgau und Riesling auf steilen Terrassen. Sieben weiße Sorten dürfen die Herkunftsbezeichnung „Südtirol Eisacktaler“ tragen. Kein anderes Sylvaner-Gebiet in Italien kommt an diese siebzig Hektar heran.

Daneben stehen die zugewanderten Namen: Weißburgunder, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Merlot, Blauburgunder. Sie füllen heute den größeren Teil der Fläche, und insgesamt ist Südtirol längst eine Weißweinregion. Trotzdem bleibt das Bild dieses Landes an drei einheimischen Namen hängen: dem hellen Vernatsch, dem dunklen Lagrein und dem duftenden Gewürztraminer aus Tramin.

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