
Quarzporphyr & Dolomit
Böden
Grab im Bozner Talkessel ein Loch in einen Weinberg. Nach wenigen Spatenstichen stößt du auf rötliches Gestein, hart und splittrig: Quarzporphyr, der Fels, auf dem die halbe Stadt Bozen steht.
Seine Geschichte beginnt vor rund 280 Millionen Jahren, tief im Erdaltertum. Gewaltige Vulkane spuckten damals Asche und Lava über das ganze Etschtal. Übrig blieb eine bis zu viertausend Meter mächtige Gesteinsschicht, die sich über mehr als zweitausend Quadratkilometer erstreckt — Bozen liegt buchstäblich auf einem erkalteten Vulkanfeld.
Verwittert zerfällt der Porphyr in lockeren, rötlichen Schutt. Er speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts wieder ab, und weil kaum Nährstoffe darin stecken, treibt er die Rebwurzel tief in die Tiefe. Genau das braucht Lagrein: Die Sorte gilt als wärmeliebend. Sie wächst am besten auf mageren, steinigen Böden, die ihr Wachstum bremsen und die Beeren klein und die Schale dick halten.
Wenige Kilometer weiter südlich, rund um Kaltern und im Überetsch, wechselt der Untergrund komplett: Dort liegt statt rotem Vulkangestein heller, kalkreicher Lehm, durchsetzt mit kantigen Dolomitbrocken, dazu stellenweise sogenannte Kampferde aus alten Moränenablagerungen. Vernatsch und Gewürztraminer stehen hier auf leichterem, kühlerem Boden. Man schmeckt den Unterschied: Weine aus dem Kalk wirken feiner und weniger wuchtig als die dichten Lagrein-Crus vom Porphyr.
Der gleiche Stein, der die Reben trägt, prägt auch die Stadt. Aus Südtiroler Porphyr sind Pflastersteine gemacht. Bis heute stehen Fassaden rund um Bozen aus demselben Stein. Wer durch die Altstadt geht, läuft über denselben Fels, der wenige Kilometer weiter den Lagrein reifen lässt.
Dünne, dunkle Auflage aus Laub und wenig verrottetem Pflanzenmaterial. Im warmen Talkessel zersetzt sie sich schnell und bleibt selten mehr als eine Handbreit.
Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln, die den ersten Regen aufsaugen — und im Hochsommer als Erste vertrocknen.