Region & Geschichte in der Region Toskana

Etrusker bis heute

Region & Geschichte

Die Etrusker pflanzten hier Reben, als Rom noch ein Dorf am Tiber war. Ihre Grabkammern zeigen Trinkgelage mit flachen Schalen, in den Hügeln um Siena findet man bis heute Reste ihrer Terrassen, und die Römer übernahmen später beides — den Anbau und die Vorliebe dafür. Wein war hier nie neu.

Das Land prägte dann ein Pachtsystem, das tausend Jahre hielt: die mezzadria. Der Bauer bekam Boden und Haus, der Grundherr die Hälfte der Ernte — Weinberg, Olivenhain, Getreide und Vieh auf demselben Hof. Für guten Wein war das Gift. Wer die Hälfte abgeben muss, pflanzt auf Menge. Erst als das System in den Fünfzigerjahren zusammenbrach und die Bauern in die Städte zogen, konnten die Güter anfangen, auf Qualität statt auf Ertrag zu setzen.

Dazwischen liegt ein Rezept, das der Toskana einen Namen machte und ihn fast ruinierte. Bettino Ricasoli, Baron und zweiter Ministerpräsident Italiens, notierte 1872 seine Chianti-Formel: viel Sangiovese, etwas Canaiolo, dazu weiße Trauben für die Frische. Als daraus 1967 eine Vorschrift wurde, standen plötzlich bis zu dreißig Prozent Weißwein im Rotwein — in einem Gebiet, das gerade dabei war, für seinen Rotwein berühmt zu werden. Das ging schief. Der Wein floss in Bastflaschen durch halb Europa, dünn und billig und als italienische Folklore verkauft.

Die Antwort kam von Leuten, die auf das Siegel verzichteten. Ab 1968 füllten einzelne Güter Weine ab, die nach den geltenden Regeln gar nicht existieren durften: reiner Sangiovese ohne den vorgeschriebenen Weißwein, oder Cabernet aus Bolgheri — verkauft als einfachster Tafelwein, der untersten Stufe überhaupt. Die Presse nannte sie Super Tuscans. Sie kosteten das Zehnfache der amtlich anerkannten Weine, und damit war die Diskussion entschieden.

Heute ist der Chianti Classico wieder das, was sein Name verspricht. Weißwein ist verboten, die Mindestmenge Sangiovese liegt bei achtzig Prozent, und seit 1984 trägt er die höchste italienische Stufe. Der schwarze Hahn auf der Flasche ist kein Markenzeichen. Es ist das Wappen des Gebiets zwischen Florenz und Siena, und es ist älter als sechshundert Jahre.

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