Klima in der Region Venetien

Gardasee & Dolomiten

Klima

Venetien hat kein einheitliches Klima. Es hat drei: Im Westen dämpft der Gardasee die Extreme, im Norden kühlen die ersten Ausläufer der Dolomiten die Weinberge, und im Südosten liegt flaches, warmes Schwemmland zur Adria hin. Ein Winzer bei Bardolino und einer bei Valdobbiadene arbeiten unter fast entgegengesetzten Bedingungen. Trotzdem gehören beide zu derselben Region.

Der See ist dabei mehr als Kulisse. Er speichert im Sommer Wärme und gibt sie im Herbst langsam wieder ab. Dadurch sind Fröste an seinen Ufern selten, und die Reben um Bardolino reifen länger als nur zwanzig Kilometer weiter im Landesinneren. Das Wasser wirkt wie ein riesiger, träger Heizkörper mit stundenlanger Verzögerung.

Für die Hügel um Valpolicella entscheidet dagegen der Wind aus der Lessinia. Kühle, trockene Luft strömt abends von den Bergen herab und trocknet die Trauben, die im Herbst zum Welken auf Holzgestellen gelegt werden. Ohne diesen Luftzug würde Schimmel die gesamte Ernte für den Amarone gefährden, bevor sie überhaupt ins Trockenlager kommt.

Nördlich davon, um Conegliano und Valdobbiadene, geht es steil bergauf. Die Weinberge klettern von fünfzig bis auf fünfhundert Meter, an manchen Stellen mit einer Neigung von siebzig Prozent — zu steil für jede Maschine, weshalb die Lese hier bis heute fast vollständig von Hand geschieht. Die Höhe bringt kühle Nächte, und kühle Nächte halten der Glera ihre Säure.

Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist deshalb überall in Venetien die eigentliche Konstante. Wo er groß ausfällt, wie in den Hanglagen um Soave oder Valdobbiadene, bleiben Säure und Aroma erhalten. Wo er klein ausfällt, wie unten in der Poebene, wachsen Trauben für einfachere Weine. Das war schon vor hundert Jahren so, nur wusste damals niemand, warum.

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