
Inniskillin & VQA
Region & Geschichte
Bis in die Siebzigerjahre bedeutete kanadischer Wein vor allem eines: süßer Traubensaft mit ein wenig Alkohol. Auf der Niagara-Halbinsel wuchsen fast nur Sorten der amerikanischen Art Vitis labrusca, robust gegen Frost, aber mit einem Fuchston im Geschmack, den Kenner sofort erkennen. Wer damals von Qualität sprach, meinte selten die eigene Region.
Das änderte sich 1975, im Jahr, in dem Donald Ziraldo und Karl Kaiser die erste kanadische Weingutlizenz seit dem Alkoholverbot erhielten. Ihr neues Weingut hieß Inniskillin, benannt nach einem irischen Regiment, das einst Land in der Gegend erhalten hatte. Sie pflanzten Riesling, Chardonnay und Gamay auf gerade einmal dreizehn Hektar bei Niagara-on-the-Lake — europäische Reben, sogenannte Vitis vinifera, wo bislang fast nur die robuste amerikanische Art stand. Ein Risiko.
Kaiser wollte mehr. 1983 ließ er einen Teil der Vidal-Trauben absichtlich am Stock hängen, um Eiswein zu versuchen — Trauben, die am Rebstock gefrieren und dadurch ihren Zucker konzentrieren. Stare fraßen die gesamte Ernte, bevor der erste Frost kam. Im Jahr darauf schützte er die Reben mit Netzen, und es funktionierte. 1989 gewann sein Vidal-Eiswein in Bordeaux beim Wettbewerb Vinexpo den Grand Prix d'Honneur, den höchsten Preis der Messe, und stellte damit kanadischen Wein zum ersten Mal auf die Weltkarte.
Der Erfolg beschleunigte eine Entwicklung, die schon lief. 1988 gründete eine Gruppe von Weingütern die Vintners Quality Alliance, kurz VQA — ein freiwilliges Gütesiegel, das Herkunft und Rebsorte auf der Flasche garantierte. Ziraldo führte die Organisation acht Jahre lang. Erst 1999 machte die Provinz Ontario daraus Gesetz, mit eigener Kontrollbehörde und klar abgegrenzten Gebieten. Ohne das VQA-Siegel darf auf einer Flasche aus Niagara heute nicht stehen, woher der Wein stammt.