Rebsorten in der Region Niagara

Franc & Vidal

Rebsorten

Eine Rebsorte mit französischem Namen und kanadischem Zuhause führt die Statistik an. Cabernet Franc steht mittlerweile auf mehr Fläche als jede andere rote Sorte in Ontario, knapp elf Prozent der gesamten Rebfläche der Provinz, deutlich vor Merlot mit sieben und Cabernet Sauvignon mit knapp sieben Prozent. In Bordeaux gilt sie meist als Mischpartnerin. In Niagara steht sie allein im Mittelpunkt.

Der Grund liegt in ihrer Physiologie. Cabernet Franc hat eine dünnere Schale als ihr berühmterer Verwandter Cabernet Sauvignon und reift ein bis zwei Wochen früher. Das ist ein entscheidender Vorteil, wenn der erste Frost schon Anfang Oktober drohen kann. Im Glas zeigt sie sich mit Noten von schwarzer Johannisbeere, Paprika und manchmal frisch geschnittenem Gras, dazu ein feineres, weicheres Tannin als viele erwarten. Tannin ist der raue, pelzige Belag im Mund, den man von schwarzem Tee kennt.

Bei den weißen Sorten sieht die Rangliste anders aus. Riesling und Chardonnay tragen den Ruf der Region als Weißweinland. Sie wachsen auf den kühlen Bänken der Schichtstufe und zeigen dort viel Frucht bei viel Säure. Mengenmäßig übertrifft sie aber eine dritte Sorte: Vidal, eine Kreuzung aus einer amerikanischen und einer französischen Rebe, die vor allem einen Zweck erfüllt. Fast die gesamte Eisweinproduktion der Provinz beruht auf ihr, weil ihre dicke Schale dem Frost besser standhält als die dünnhäutigerer Sorten.

Eine vierte Sorte erinnert an den Anfang. Gamay stand schon 1975 mit auf Inniskillins ersten dreizehn Hektar, obwohl sie heute eine Nebenrolle spielt. Wichtiger geworden ist stattdessen Pinot Noir, vor allem auf der Twenty Mile Bench. Dort geht er zusammen mit Chardonnay in traditionell versektete Schaumweine, nach demselben Verfahren wie Champagner — nur mit Trauben von der Schichtstufe statt aus der Champagne.

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