Klima in der Region Niagara

Der Ontariosee kühlt

Klima

Ohne den Ontariosee gäbe es hier keinen Weinbau von Bedeutung. Die Region liegt auf derselben geografischen Breite wie einige Weinberge in Südfrankreich. Trotzdem ist das Klima ein völlig anderes — kontinental, mit kalten Wintern und heißen, aber kurzen Sommern. Ein flacher Streifen zwischen der Schichtstufe und dem See macht daraus trotzdem eines der verlässlichsten Weinbaugebiete Kanadas.

Der See wirkt wie ein riesiger Wärmespeicher. Im Frühling ist sein Wasser noch kalt vom Winter. Die Brise darüber bremst die Erwärmung an Land, und die Knospen treiben später aus, als es die Lufttemperatur allein erwarten ließe. Genau dann wäre die Gefahr von Spätfrösten am größten. Im Herbst kehrt sich der Effekt um. Das Wasser hat den Sommer über Wärme gespeichert und gibt sie jetzt langsam wieder ab, sodass die Reben Wochen länger reifen können als nur wenige Kilometer landeinwärts.

Die Niagara-Schichtstufe leistet einen zweiten, unabhängigen Dienst. Kalte Luft ist schwerer als warme und sackt in klaren Nächten die Hänge hinunter, weg von den Weinbergen, die auf den sogenannten Bänken unterhalb der Steilkante liegen. Das nennt man Kaltluftabfluss. Er senkt das Frostrisiko genau dort, wo die besten Trauben wachsen: auf der Beamsville Bench und der Twenty Mile Bench, den bekanntesten dieser Terrassen. Wer im Tal darunter pflanzt, riskiert dagegen Frost in einer Nacht, die auf der Bank völlig harmlos verläuft.

Die Kombination aus See und Schichtstufe zahlt sich am Ende der Saison aus. Vollreife Riesling- und Chardonnaytrauben stehen im September auf der Bank. Selbst danach bleibt genug milde Zeit für Vidal-Trauben, die absichtlich bis weit in den Dezember hinein am Stock bleiben sollen. Kühle Nächte halten dabei die Säure fest, während milde Tage den Zucker aufbauen — ein Wechselspiel, ohne das weder ein frischer Riesling noch ein süßer Eiswein möglich wäre.

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