
Meze am Berdawni
Wein & Essen
In Zahle liegen die besten Restaurants direkt über dem Fluss. Der Berdawni fließt mitten durch die Stadt, gesäumt von einer gut dreihundert Meter langen Promenade voller Tische. Im Sommer rücken die Tische bis ans fließende Wasser heran. Hierher kommen Familien seit Generationen für ein Meze. Das ist die libanesische Art, ein ganzes Essen aus vielen kleinen Tellern zusammenzustellen.
Kibbeh nayyeh eröffnet fast jede Tafel: rohes, fein gehacktes Lammfleisch mit Bulgur, Zwiebeln und Gewürzen, gegessen mit Olivenöl und frischer Minze. Dazu passt kein schwerer Rotwein, sondern ein kühler, leichter Cinsault oder ein Glas Arak mit viel Wasser. Beides hat genug Säure oder Anisfrische, um das rohe Fleisch nicht zu erschlagen, und dasselbe gilt für Tabbouleh, den Petersiliensalat mit wenig Bulgur und viel Zitrone: Säure trifft Säure, und der Wein bleibt im Hintergrund.
Ganz anders sieht es bei Kafta aus, gegrilltem Hackfleischspieß mit Zwiebeln und Petersilie. Hier braucht es Gewicht: ein kräftiger Verschnitt aus Cabernet Sauvignon, Syrah oder Carignan. Wie ihn Château Kefraya oder Château Musar abfüllen, hält er den Röstaromen des Grills stand. Arak steht an diesem Tisch ungefähr dort, wo in Italien der Grappa steht, als Absacker nach dem Essen. Nur trinkt man ihn hier, anders als Grappa, schon während des ganzen Meze.
Einmal im Jahr, im September, feiert Zahle das mit einem eigenen Fest: dem Festival der Rebe, mit Konzerten und Lesungen über mehrere Wochen. Wein und Dichtung gehören hier zusammen. Die Stadt trägt den Beinamen Stadt des Weins und der Poesie, nicht ohne Grund.