
Ein Glas Musar
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Halte ein Glas Musar gegen ein weißes Blatt Papier. Nach sieben Jahren zwischen Fass, Beton und Flasche ist die Farbe längst nicht mehr das satte Rubinrot eines jungen Weins. Sie zeigt inzwischen einen Granatton mit einem ziegelfarbenen Rand. Das ist kein Reifeschaden. Es ist genau das, wofür der Wein gemacht wurde.
In der Nase treten zuerst getrocknete Früchte hervor, Feige und Rosine, dazu Leder und ein Hauch Tabak. Das sind Aromen, die anderswo erst nach jahrzehntelanger Flaschenreife entstehen, hier aber schon viel früher da sind. Manche Flaschen zeigen zusätzlich einen erdigen, fast tierischen Ton, der an einen Stall erinnert. Weinkritiker streiten seit Jahrzehnten darüber, ob das ein Makel ist oder der eigentliche Charakter des Hauses. Für die Familie Hochar war diese sogenannte Brettanomyces-Note, benannt nach einer Hefe, nie ein Fehler, sondern Teil der Handschrift, für die Musar berühmt wurde.
Im Mund überrascht die Frische. Trotz des Alters trägt der Wein noch spürbare Säure. Das ist ein Erbe der kühlen Bekaa-Nächte, die dem Cinsault schon im Weinberg seine Säure bewahrt haben, lange bevor irgendein Keller daran etwas ändern konnte. Das Tannin von Cabernet und Carignan ist nach sieben Jahren längst weich geworden, ohne dass der Wein deswegen an Struktur verliert.
Am Ende zähl mit: Wie lange bleibt der Geschmack, nachdem du geschluckt hast? Bei einem gelungenen Musar sind es zwanzig Sekunden und mehr, und genau diese Länge unterscheidet einen großen Jahrgang von einem bloß interessanten.