
Tal zwischen Bergen
Klima
Wer im Sommer von der libanesischen Küste ins Bekaa-Tal fährt, durchquert erst einen grünen Küstenstreifen und dann, nach der Passhöhe des Mount Lebanon, eine plötzlich trockene Ebene. Der Gebirgszug fängt fast die gesamte Feuchtigkeit vom Mittelmeer ab, bevor sie das Tal erreicht. Dahinter liegt das Bekaa-Tal, flankiert vom Mount Lebanon im Westen und vom Anti-Libanon im Osten, auf rund tausend Metern Höhe.
Regen fällt hier fast nur im Winter, oft als Schnee auf den umliegenden Gipfeln. Zwischen sechshundert und siebenhundert Millimetern kommen im Jahr zusammen. Er fällt konzentriert auf wenige Monate. Der Litani, Libanons größter Fluss, entspringt im Norden des Tals unweit Baalbeks und sammelt einen Teil dieses Schmelzwassers. Im Sommer bleibt es dagegen über Wochen praktisch trocken. Die Reben überstehen das trotzdem, weil der Schnee der Berge langsam ins Grundwasser sickert und die Wurzeln von unten versorgt. Ohne dieses Reservoir gäbe es hier keinen Weinbau.
An Sonne mangelt es nie: Rund dreihundert Tage im Jahr scheint sie über dem Tal. Noch wichtiger als die Sonnenstunden ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht. An einem Augusttag klettert das Thermometer tagsüber auf über dreißig Grad, nachts fällt es auf um die sechzehn Grad — ein Sprung von fast fünfzehn Grad. Für Cabernet Sauvignon und Syrah ist das entscheidend. Tagsüber reift die Beere in der Hitze, nachts hält die Kühle die Säure fest, die sonst verkochen würde.
Dieses Gleichgewicht gerät zunehmend ins Wanken. Winzer im Bekaa-Tal berichten von immer früheren Lesen und von Jahrgängen, in denen die gewohnte nächtliche Kühle ausblieb. Was einmal als verlässliches Hochlandklima galt, wird zusehends launischer.