
Kalk, Ton, Kies
Böden
Grab in einem Weinberg bei Kefraya ein Loch, und du triffst zuerst auf rötlichen Lehm. Das Rot kommt vom Eisen im verwitterten Kalkstein darunter — Fachleute nennen diese Farbe Terra Rossa, roter Boden. Sie ist nur eine dünne Haut über etwas viel Älterem.
Darunter liegt eine Schicht aus Kies und Geröll, abgelagert, als große Teile des Tals noch von einem See bedeckt waren. Das Bekaa-Tal liegt auf einer Grabenbruchzone. Sie wird von der Yammouneh-Verwerfung durchzogen. Ihre Bewegungen haben über Jahrmillionen abwechselnd Seeboden und trockenes Land geschaffen, und jede Phase hinterließ eine eigene Schicht aus Ton, Sand oder Geröll. Wer an einer Straßenböschung im West-Bekaa gräbt, sieht dieses Nebeneinander mit bloßem Auge. Wo die Wurzel sich durch den Kies zwängt, bleiben die Beeren klein und ihre Schalen dick — und in der Schale sitzt das meiste Tannin.
Ganz unten, oft erst nach mehreren Metern, folgt der eigentliche Grund: helles Kalkgestein aus Jura und Kreidezeit, also deutlich über hundert Millionen Jahre alt. Es speichert Winterregen wie ein Schwamm und gibt ihn über den trockenen Sommer wieder ab. Genau diese Speicherfähigkeit macht aus einer Gegend mit kaum Sommerregen überhaupt einen Weinberg.
Ein Missverständnis hält sich hartnäckig: Ein Wein schmecke „mineralisch“, weil die Rebe Mineralien aus dem Kalkstein aufnehme und ins Glas weiterreiche. Das stimmt nicht. Was über die Wurzel hereinkommt, sind gelöste Ionen in Mengen, die kein Gaumen je herausschmecken könnte. Der Boden wirkt auf einem Umweg — über Wasser, Wärme und die Tiefe, in die er die Wurzel zwingt.
Rötlicher, eisenreicher Lehm aus verwittertem Kalkstein, dünn und locker.
Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln, die den knappen Winterregen zuerst aufnehmen.