Rebsorten in der Region Bekaa-Tal

Cinsault trifft Obeideh

Rebsorten

Die Reben, die heute im Bekaa-Tal stehen, kamen zu großen Teilen aus Algerien. 1857 brachten die Jesuiten von Château Ksara Stecklinge von Cinsault, Carignan und Grenache mit, weil ihnen die Hitze und Trockenheit ihrer neuen Heimat bekannt vorkamen. Cinsault gewann schnell die Oberhand. Die Sorte trägt eine dünne Schale und hellrote Beeren, verträgt Hitze gut und liefert zuverlässig große Mengen — genau das, was ein Kellermeister im neunzehnten Jahrhundert brauchte. Jahrzehntelang landete sie deshalb vor allem in einfacher Fassware. Erst alte, unbewässerte Stöcke drehten den Ruf um. Die Vieilles-Vignes-Cuvée von Domaine des Tourelles in Chtaura kürte Jancis Robinson 2017 zu ihrem Wein der Woche. Ein späterer Jahrgang bekam von Decanter-Kritiker Rupert Joy 94 Punkte.

Später kamen internationale Sorten dazu, vor allem während der französischen Mandatszeit von 1920 bis 1946. Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah trafen auf das alte Trio aus Cinsault, Carignan und Grenache und bilden seither die meisten roten Cuvées des Tals. Château Musar mischt bis heute etwa zu gleichen Teilen Cabernet Sauvignon, Cinsault und Carignan. Bei Château Kefraya trägt der Spitzenwein Comte de M dagegen die Handschrift der Rhône: Cabernet Sauvignon neben Syrah, manchmal ergänzt um etwas Mourvèdre.

Ganz anders liegt der Fall bei den beiden weißen Landessorten. Obeideh und Merwah gelten als einheimisch und wachsen praktisch nirgendwo sonst auf der Welt. Lange nahm man an, Obeideh sei mit Chardonnay verwandt und Merwah mit Sémillon. Eine genetische Untersuchung aus dem Jahr 2024 räumte mit diesem Mythos auf: Keine der beiden Sorten zeigt eine nachweisbare Verwandtschaft zu einer bekannten europäischen Rebe. Beide sind eigenständige Waisenkinder der Rebenwelt, mit einem Erbgut, das es sonst nirgendwo gibt. Im Glas unterscheiden sie sich deutlich. Obeideh duftet nach Zitrusfrüchten und weißen Blüten, Merwah eher nach Haselnuss, mit einem salzigen Zug, der an nahe Steinböden erinnert.

Traditionell dienten beide Sorten weniger dem Wein als dem Arak, dem Anisschnaps des Landes. Das Gesetz schreibt vor, dass Arak nur aus Obeideh oder Merwah gebrannt werden darf. Erst seit einigen Jahren füllen Weingüter sie auch pur als ernsthaften Weißwein ab, statt sie ganz in der Brennblase verschwinden zu lassen.

Bilder mit KI erstellt · Texte KI-gestützt, redaktionell geprüft

Dürfen wir messen, wie Gustofolio benutzt wird? Dafür würden wir Google Analytics laden und ein Cookie auf deinem Gerät speichern. Das hilft uns zu sehen, welche Bereiche gebraucht werden — mehr nicht. Inhalte deiner Sammlung werden dabei nicht übertragen.

Ohne deine Zustimmung passiert nichts davon, und Gustofolio funktioniert vollständig weiter. Du kannst deine Entscheidung jederzeit ändern. Einzelheiten in der Datenschutzerklärung.