
Bacchus bis Bürgerkrieg
Region & Geschichte
In Baalbek, mitten im Bekaa-Tal, steht der Tempel des Bacchus. Kaiser Antoninus Pius ließ ihn um das Jahr 150 errichten, größer als der Parthenon in Athen und bis heute einer der besterhaltenen römischen Tempel überhaupt. Zufall war die Wahl des Gottes nicht. Schon die Phönizier hatten in diesem Tal jahrhundertelang Reben angebaut, lange bevor die Römer kamen. Was die Bauleute in ihre Kapitelle meißelten, war deshalb keine ferne Legende, sondern die Pflanze vor der eigenen Baustelle.
1857 pflanzten französische Jesuiten auf fünfundzwanzig Hektar zwischen Zahle und Tanail die ersten Reben von Château Ksara: Cinsault, Carignan und Grenache, als Stecklinge aus Algerien mitgebracht. Es ist bis heute das älteste und größte Weingut Libanons. Der Vatikan zwang die Patres 1972 zum Verkauf. Klöster sollten keine Firmen mehr führen. Elf Jahre nach Ksara baute der französische Ingenieur François-Eugène Brun im nahen Chtaura mit Domaine des Tourelles den ersten Keller des Landes, der von Anfang an für den freien Verkauf gedacht war.
Die größte Probe kam mit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990. Auf achtzig Hektar Rebfläche von Château Musar standen sich zeitweise syrische und israelische Panzer gegenüber, mitten in den Rebzeilen. Nur die Ernte 1976 fiel komplett aus. 1984 brauchten zwei Lastwagen von Musar sechs Tage für die knapp sechzig Kilometer von den Weinbergen im Bekaa-Tal bis zur Kellerei nördlich von Beirut, weil Winzer Serge Hochar seine Route jedes Mal neu an Milizen und Kontrollposten anpassen musste. Am Ende wurde aus jeder Fracht trotzdem Wein.
Nach Kriegsende kehrten alte Familien zurück. 1998 gründeten die Brüder Sami und Ramzi Ghosn in Tanail das Weingut Massaya. Als Partner kamen Dominique Hébrard von Château Cheval Blanc und die Familie Brunier vom Rhône-Gut Vieux Télégraphe dazu. Kefraya bestand da schon länger: Michel de Bustros hatte dort 1951 die ersten Reben gesetzt und mitten im Bürgerkrieg, 1979, den ersten eigenen Wein abgefüllt. Eine gesetzlich geschützte Herkunftsbezeichnung wie die französische AOC gibt es bis heute nicht. Der Name Bekaa-Tal bleibt auf dem Etikett eine geografische Angabe ohne Rechtsschutz. Trotzdem stammen von hier über neunzig Prozent des libanesischen Weins.